Politik : Gefährliches Duell

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Es herrschte unter den Genossen nicht allseits Euphorie. Doch dann setzten sich die Traditionspfleger durch – und erneut schickte die PDS mit Gustav-Adolf Schur, den sie im Osten alle nur „Täve“ nennen, einen Kandidaten für das Amt des Bundestags-Alterspräsidenten ins Rennen. Schon 1994 und 1998 hatten die Sozialisten mit Stefan Heym und Fred Gebhardt die ältesten Abgeordneten des Parlaments gestellt, die dann im Reichstag die Rede zur Eröffnung der Legislaturperiode hielten.

Heym und Gebhardt sind tot, und für die PDS lebt nun das DDR-Radsportidol Schur, ein „Phänomen an Bekanntheit und Beliebtheit“, wie es deren Fraktionschef Roland Claus ausdrückt. Die Zeiten, in denen hinter vorgehaltener Hand über den sportlichen Genossen und seine zumeist äußerst simplen Politikansätze gelästert wurde, scheinen vorbei zu sein. Jetzt macht die PDS Wahlkampf mit und für Schur. Auf der Internet-Seite der sächsischen Landespartei wird bereits zur Abstimmung gerufen: Soll Schur, 71, die Eröffnungsrede der Wahlperiode 2002 halten, oder vielleicht doch besser Otto Schily, obwohl der 17 Monate jünger als Schur ist? Verfehlt Schur den Einzug ins Parlament, wäre Schily der nächste Alterspräsident.

Das „bisher übersehene Duell“ (PDS-Reklame) ging bisher für Schur aus. Nachdem die ersten Stimmen ausgezählt waren, fanden nur vier Prozent Otto gut, 49 Prozent hielten Täve für besser. Doch immerhin 46 Prozent meinten, der Bundestag müsse statt Schily oder Schur einen Jugendpräsidenten bekommen. Werden die Jugendpräsidenten-Fans noch zulegen? Recht leicht könnte die PDS mit ihrem Zugpferd Schur ziemlich alt aussehen. Matthias Meisner

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