Gefahr eines Bürgerkrieges : Welle der Gewalt in Burundi

Bewaffnete Gruppen attackierten Militäreinrichtungen und Sicherheitskräfte sollen Regierungsgegner willkürlich hingerichtet haben.

Proteste gegen Präsident Pierre Nkurunziza lösen Welle der Gewalt in Burundi aus.
Proteste gegen Präsident Pierre Nkurunziza lösen Welle der Gewalt in Burundi aus.Foto: REUTERS

Bei einer blutigen Welle der Gewalt im ostafrikanischen Burundi sind seit vergangenem Freitag mindestens 87 Menschen getötet worden. Bewaffnete Gruppen hatten in der Hauptstadt Bujumbura mehrere Militäreinrichtungen angegriffen. Dabei seien auch vier Soldaten und vier Polizisten ums Leben gekommen, sagte ein Militärsprecher.

Etwa 45 Angreifer seien gefangen genommen und rund 100 Waffen sichergestellt worden. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) reagierte schockiert auf Berichte, wonach Sicherheitskräfte gezielt Jagd auf junge Menschen gemacht haben sollen, die als regierungskritisch eingestuft worden seien. Die Organisation forderte am Sonntag, das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte müsse eine unabhängige Untersuchungskommission einsetzen. Bei einer am Donnerstag geplanten Sondersitzung des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen solle ein entsprechendes Mandat erteilt werden, so die GfbV.

Vorwurf willkürlicher Hinrichtungen durch staatliche Sicherheitskräfte

„Augenzeugenberichte deuten auf willkürliche Hinrichtungen von jungen Menschen durch staatliche Sicherheitskräfte hin“, sagte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. „Dringend müssen diese schweren Vorwürfe zeitnah untersucht und die eilig verscharrten Leichname der Getöteten exhumiert werden.“ Nur so könnten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen und eine weitere Eskalation der Gewalt verhindert werden.

Das US-Außenministerium forderte am Sonntag alle Amerikaner auf, Burundi zu verlassen. Auch Regierungsbeamte und Botschaftsangestellte sollen abgezogen werden. Es komme immer wieder zu Feuergefechten und Granatenangriffen, die sich jedoch generell nicht gegen Ausländer richteten, hieß es in einer Mitteilung.

Karte von Burundi.
Karte von Burundi.Foto: AFP

Jedoch sollten Demonstrationen und größere Menschenansammlungen um jeden Preis gemieden werden. Der UN-Sicherheitsrat hatte am Freitagabend (Ortszeit) in New York aufgerufen, die Gewalt umgehend zu beenden, Zivilisten zu schützen und das Klima der Straflosigkeit zu beenden. Regierung und alle politischen Akteure sollten umgehend einen Dialog aufnehmen, um weitere Gewalt zu verhindern.

Anlass der Unruhen wohl verfassungswidrige dritte Amtszeit des Präsidenten

Das arme Land versinkt im Chaos, seit Präsident Pierre Nkurunziza im April angekündigt hatte, entgegen der Verfassung für eine dritte Amtszeit zu kandidieren. Im Juli war er bei einer von der Opposition boykottierten Wahl in seinem Amt bestätigt worden. Die Bevölkerung ist wütend.

Bewaffnete Gruppen sind im Einsatz, um den Rücktritt des Staatschefs zu erreichen. Am Freitag waren den ganzen Tag über Schüsse und Explosionen zu hören, die Menschen verschanzten sich in ihren Häusern. Den Angaben zufolge wollten die Angreifer Ausrüstung der Armee stehlen, um damit Gefangene zu befreien. Ein Aktivist berichtete, bei Razzien hätten Polizisten unbeteiligte Zivilisten erschossen, die nichts mit den Attacken zu tun gehabt hätten. Zuvor hatte es bereits geheißen, in zwei Vierteln in Bujumbura seien Dutzende Leichen entdeckt worden.

Die meisten der Toten hätten Schusswunden aufgewiesen. Es werde angenommen, dass sie hingerichtet worden seien. Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in den vergangenen acht Monaten Hunderte Menschen getötet worden. Die GfbV zitierte UN-Angaben, wonach mehr als 370 Menschen ums Leben gekommen sind. 220.000 weitere sollen aus dem kleinen Land mit nur zehn Millionen Einwohnern geflohen sein. „Die jüngste Gewalt wird den Massenexodus vieler um ihr Leben fürchtender junger Menschen schüren“, warnte Delius. Die Angst vor einem Bürgerkrieg habe an diesem Wochenende massiv zugenommen. In Burundi war erst vor einem Jahrzehnt ein verheerender Bürgerkrieg zwischen der Hutu-Mehrheit und der Tutsi-Minderheit mit 300 000 Toten zu Ende gegangen. (dpa)

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