Politik : Gefangen in der Freiheit

Der irakische Arzt Ibrahim al Basri saß mehr als zehn Jahre im Gefängnis. Seine Befreier will er dennoch schnell wieder loswerden

Ulrike Scheffer

Ibrahim al Basris Sprechstunde ist meist gut besucht. Der Arzt und frühere Universitätsprofessor aus Bagdad behandelt vor allem Folteropfer – Menschen, die wie er selbst von den Schergen Saddam Husseins aus politischen Gründen über Jahre festgehalten wurden. Viele leiden noch immer unter den Verletzungen, die ihnen im Gefängnis zugefügt wurden. Für den 60-Jährigen, der mehr als zehn Jahre seines Lebens in einer Zelle ohne Bett und Tageslicht verbrachte und erst 2002 freikam, ging ein Albtraum zu Ende, als Saddam Hussein stürzte. Und dennoch fordert er den Abzug der US-Truppen.

„Die USA haben uns so viel versprochen, doch die Lage im Irak wird von Tag zu Tag schlechter“, erläutert er. Der amerikanische Verwalter, Paul Bremer, agiere ohne Konzept. Viele seiner Entscheidungen würden am nächsten Tag schon wieder rückgängig gemacht. Die Truppen verhielten sich der Bevölkerung gegenüber rüde, ja demütigend. Al Barsi ist überzeugt, dass die Iraker ihr Land allein verwalten und auf eine demokratische Basis stellen können: „Alle Gruppen sind bereit dazu. Die viel zitierten Gegensätze zwischen Kurden, Schiiten, Sunniten und Christen werden stark übertrieben.“

Auch die Aufarbeitung der Vergangenheit sollte aus al Basris Sicht von Irakern geleistet werden. Er hat mit anderen früheren Häftlingen die „Vereinigung zur humanitären Hilfe für Opfer des Saddam-Regimes“ gegründet. In der deutsch-arabischen Gesellschaft in Berlin zeigte al Basri am Mittwoch einen Dokumentarfilm über Saddams Kerker. In den Kellern und Archiven der Gefängnisse türmen sich zehntausende Akten. Viele beinhalten Fotos: Zu sehen sind darauf blutüberströmte Männer mit verzerrten Gesichtern. Manchen wurden offenbar die Arme abgehackt, andere wurden mit Säure übergossen. Beides seien gängige Foltermethoden gewesen, sagte al Basri. Mitarbeiter seiner Organisation sichten die Akten und dokumentieren die Schicksale. „Vieles, was geschehen ist, ist so schrecklich, dass man es sich kaum vorstellen kann.“

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