Politik : Gefangene der Taliban: Letzter Kontakt kurz nach dem Angriff

Ruth Ciesinger

Nach den ersten Luftangriffen auf Kabul scheint es den vier dort inhaftierten deutschen Mitarbeitern der Hilfsorganisation Shelter Now den Umständen entsprechend gut zu gehen. Über den "sehr engagierten pakistanischen Anwalt" habe man am Sonntagabend kurz nach den Angriffen Kontakt zu den Gefangenen herstellen können, erklärte am Montag der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Gunter Pleuger. Der Anwalt Asif Ali Khan hat die Verteidigung der insgesamt acht ausländischen Mitarbeiter von Shelter Now übernommen, die seit Anfang August in Afghanistan im Gefängnis sitzen. Vor den Luftschlägen hatten die Entwicklungshelfer noch mit Angehörigen telefonieren können. Den Deutschen, zwei Australiern und zwei US-Amerikanern wird christliche Missionierung vorgeworfen.

Im Moment weiß allerdings niemand, ob der Prozess gegen die Shelter-Now-Mitarbeiter wie geplant am Mittwoch fortgesetzt wird. Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) forderte am Rande einer EU-Außenministerkonferenz in Luxemburg die Taliban auf, die Gefangenen sofort freizulassen. Am Montagmorgen ist außerdem der ehemalige Botschafter Jürgen Chrobog nach Islamabad und Neu-Delhi aufgebrochen, um mit den Regierungen dort über das weitere Schicksal der Mitarbeiter von Shelter Now zu sprechen.

Bei der deutschen Zweigstelle von Shelter Now sorgt man sich um deren Sicherheit. "Wir befürchten, dass die Gefahr für unsere Mitarbeiter zunimmt", sagte Joachim Jäger von der Geschäftsstelle in Braunschweig. Er gehe aber davon aus, dass bei den Angriffen nicht das Zentrum Kabuls getroffen worden sei. Dort werden die Helfer vermutet. Trotz der Angst um die Mitarbeiter heißt Jäger die Militäraktion gegen Afghanistan gut. Es sei der "richtige Weg", da sonst dem Terror Tür und Tor geöffnet werde.

Die über eine Woche in Afghanistan festgehaltene britische Journalistin Yvonne Ridley ist inzwischen frei. Die Reporterin des britischen "Sunday Express" sei am Montag an der Grenze zu Pakistan den pakistanischen Behörden übergeben worden, sagte ein hochrangiger pakistanischer Grenzbeamter am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Nach den Angriffen der USA und Großbritanniens gegen Afghanistan war das Schicksal der 43-Jährigen zunächst ungewiss.

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