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Gefangenenaustausch zwischen Iran und USA : Iran lässt Reporter der "Washington Post" frei

Jahrelang hat sich die US-Regierung um die Freilassung inhaftierter Landsleute im Iran bemüht. Jetzt sind sie frei - und der Zeitpunkt nicht zufällig.

Iran hat kurz vor Inkrafttreten des Atomabkommens mehrere Gefangene mit doppelter Staatsbürgerschaft freigelassen.
Iran hat kurz vor Inkrafttreten des Atomabkommens mehrere Gefangene mit doppelter Staatsbürgerschaft freigelassen.Foto: dpa/EPA/Abedin Taherkenareh

Kurz vor der erwarteten Aufhebung internationaler Iran-Sanktionen hat Teheran den „Washington-Post“-Reporter Jason Rezaian und drei weitere Amerikaner freigelassen. Das wurde am Samstag in Teheran und Washington bestätigt. Im Gegenzug erklärten sich die USA zur Freilassung von sieben iranischen Häftlingen bereit. Dem Sender CNN zufolge setzte der Iran außerdem unabhängig von diesem Gefangenenaustausch einen amerikanischen Studenten auf freien Fuß.

Laut US-Medienberichten sollten die teils jahrelang im Iran gefangenen Männer binnen kürzester Zeit aus dem Land ausgeflogen werden. Die USA hatten sich seit langem um die Freilassung Rezaians und anderer amerikanischer Häftlinge bemüht. Die iranische Weigerung war Wasser auf die Mühlen für US-Kritiker des Atomabkommens mit Iran. Im Rahmen dieses Atomdeals wurde für dieses Wochenende die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen gegen den Iran erwartet.

Die sieben Iraner, die freigelassen werden sollen, sind im Zusammenhang mit diesen Strafmaßnahmen in den USA verurteilt oder angeklagt worden, wie ein Washingtoner Regierungsbeamter sagte. Gegen keinen von ihnen gebe es Terrorverdacht. Die sieben Personen, von denen sechs eine doppelte Staatsbürgerschaft besäßen, seien begnadigt worden. Zudem hätten die USA Anklagen gegen 14 weitere Iraner fallengelassen.

Rezaian war im Juli 2014 festgenommen und im berüchtigten Ewin-Gefängnis festgehalten worden. 2015 wurde er wegen Spionage und Propaganda gegen die Islamische Republik vor Gericht gestellt und im Oktober zu einer nicht näher spezifizierten Haftstrafe verurteilt.

Im Einzelnen soll Rezaian über eine US-Journalistin Insider-Informationen an das Weiße Haus weitergeleitet haben. Der 39-Jährige hat die Anschuldigungen stets zurückgewiesen. Er sei im Iran lediglich seiner journalistischen Arbeit nachgegangen. Auch die US-Regierung hat die Anklagen als absurd bezeichnet.

Die drei anderen im Zuge des Gefangenenaustausches freigelassenen Häftlinge sind der 35-jährige christliche Pastor Saeed Abedini aus dem US-Staat Idaho, der 32-jährige Ex-Marineinfanterist Amir Hekmati aus Michigan und Nosratollah Chosrawi. Alle vier haben nach iranischen Angaben eine doppelte Staatsbürgerschaft.

Abedini war der „Washington Post“ zufolge im Juli 2012 festgenommen und dann wegen subversiver Tätigkeiten gegen die Regierung verurteilt worden. Hekmati wurde 2011 während eines Besuchs bei seiner Großmutter festgenommen und seitdem wegen Spionage gefangen gehalten. Über Chosrawi und den laut CNN freigelassenen Studenten Matthew Trevithick wurde zunächst nichts Näheres bekannt. (dpa)


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