Gefangenschaft in Iran : Zwischen Todesangst und Tischtennis

Wie war die Gefangenschaft? Nach der Freilassung von 15 britischen Seeleuten schildern Ex-Gefangene ihre Todesängste, während Iran mit Videoaufnahmen eine fröhliche Atmosphäre der Gefangenschaft beweisen will.

London - Oppositionspolitiker und Angehörige von im Irak gefallenen Soldaten sprachen mit Blick auf die Interviews von mehreren ehemaligen Gefangenen von einer "würdelosen" Geschäftemacherei. Derweil veröffentlichte der Iran neue Videoaufnahmen, auf denen die gefangenen Briten bei scheinbar bester Laune zu sehen sind.

Die einzige Frau unter den Gefangenen schilderte der Boulevardzeitung "The Sun", wie sie in Todesangst versetzt worden sei. Sie habe ernsthaft gefürchtet, dass die Iraner für sie einen Sarg zimmerten, erzählte die 26-jährige Faye Turney. Unweit ihrer Zelle habe sie Geräusche vernommen, die sich wie das Sägen von Holz und das Hämmern von Nägeln anhörten. Gleichzeitig sei eine Frau in die Zelle gekommen, habe ihren Körper vermessen und die Ergebnisse laut nach draußen gerufen.

Hohe Entlohnung für Interviews mit der Boulevardpresse

Turney soll für Interviews mit der "Sun" und dem Privatsender "ITV" 150.000 Pfund (225.000 Euro) erhalten haben. Der mit 20 Jahren Jüngste unter den Gefangenen erzählte der Zeitung "The Mirror" gegen Bezahlung, er habe in iranischer Gefangenschaft vor Angst "geschrien wie ein Baby". Die Haft sei ein "Albtraum" gewesen, sagte der Navigator Arthur Batchelor.

Iran reagierte auf die britischen Medienberichte mit der Ausstrahlung bislang unveröffentlichter Videoaufnahmen der Briten. Darauf sind die Gefangenen bei scheinbar bester Laune zu sehen, wie sie Tischtennis spielen, im Fernsehen ein Fußballspiel verfolgen und an einem langen Tisch ein Abendessen einnehmen. (tso/dpa)

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben