Gefechte : Zivilisten in Sri Lanka beschossen

Auf Sri Lanka hängt das Leben von 50.000 Menschen, die die Tamilen-Rebellen der LTTE auf einem Küstenstreifen festhalten, an einem seidenen Faden. Es mehren sich Gerüchte, dass die Regierung bald zur Schlussoffensive ansetzen will.

Christine Möllhoff

Neu-Delhi - Die Appelle wirken wie die letzten, hilflosen Versuche, eine Tragödie noch abzuwenden. Der Weltsicherheitsrat und US-Präsident Barack Obama riefen die Kriegsparteien in Sri Lanka nun auf, die Zivilisten zu evakuieren. Auf der Insel hängt das Leben von 50 000 Menschen, die die Tamilen-Rebellen der LTTE auf einem Küstenstreifen festhalten, nun an einem seidenen Faden. Es mehren sich Gerüchte, dass die Regierung bald zur Schlussoffensive ansetzen will. Obama warnte vor einer „Katastrophe”. Laut Militär konnten am Donnerstag 2000 Tamilen aus der Kampfzone entkommen. Unter anhaltenden Artillerieangriffen auf das einzige noch funktionierende Krankenhaus im Kriegsgebiet in Sri Lanka ist das gesamte medizinische Personal am Donnerstag geflüchtet. In der Klinik blieben 400 schwer verletzte Patienten zurück, sagte ein Vertreter der örtlichen Gesundheitsbehörden.

Obama fand klare Worte an die Adresse der LTTE. „Ich fordere die Tamilen-Tiger auf, ihre Waffen niederzulegen und die Zivilisten gehen zu lassen”, sagte er. Es sei „kläglich”, dass die LTTE Zivilisten an die Waffen zwinge und als „menschliche Schutzschilde” missbrauche. An die Regierung appellierte er, ihre Zusage einzuhalten, keine Zivilisten zu beschießen und keine Artillerie einzusetzen. Der Sicherheitsrat verurteilte den Einsatz schwerer Waffen. Doch die Appelle schienen ungehört zu verhallen. Die Gefechte gingen am Donnerstag unvermindert weiter. LTTE-Chef Velupillai Prabhakaran scheint entschlossen, lieber bis zum letzten Kindersoldaten zu kämpfen als sich zu ergeben. Wie die UN unter Berufung auf Augenzeugen berichtet hatten, zwingt die LTTE nun schon 13-Jährige an die vorderste Front. 

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