Gefolterter ukrainischer Aktivist : „Ich werde den Widerstand fortsetzen“

Der ukrainische Aktivist Dimitri Bulatow berichtet im Berliner Mauermuseum am Checkpoint Charlie von schlimmsten Folterungen und seinem Kampf gegen die Regierung.

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Dimitri Bulatow bei seinem Auftritt in Berlin.
Dimitri Bulatow bei seinem Auftritt in Berlin.Foto: dpa

Über die Wange zieht sich eine große Narbe, sein rechtes Ohr ist teilweise abgeschnitten, der Blick etwas fahrig. So zeigt sich Dimitri Bulatow am Samstag auf einer Pressekonferenz im Berliner Mauermuseum am Checkpoint Charlie, wo sich auch schon Michail Chodorkowski nach seiner Freilassung aus einem russischen Straflager öffentlich geäußert hatte. Bulatow sagt nun, er könne seinen Auftritt ohne Medikamente nicht durchstehen. Doch er wolle seine Geschichte erzählen und weiterhin für sein Anliegen kämpfen. Acht Tage lang war der Aktivist der ukrainischen Protestbewegung verschwunden. Während dieser Zeit wurde er nach eigenen Angaben gefoltert und misshandelt.

Bis Dienstag wird Bulatow in Deutschland bleiben, sein Vater und seine Großmutter leben hier. Danach will er weiter durch Europa reisen. Asyl möchte er aber weder in Deutschland noch in einem anderen Land beantragen. Vielmehr habe er vor, „sobald wie möglich in die Ukraine zurückzukehren“. Im Moment ist das nicht möglich, weil Bulatow dort strafrechtlich verfolgt wird. Er gehört zu den führenden Persönlichkeiten der Proteste gegen die ukrainische Regierung und initiierte mit seiner Bewegung „Automaidan“ lautstarke Aktionen vor den Vorstadtvillen von Staatspräsident Viktor Janukowitsch und anderen Spitzenfunktionären.

Am 30. Januar war Bulatow schwer verletzt in einem Dorf bei Kiew aufgetaucht. „Ich bin sicher, dass es Profis waren, die mich verschleppt und gefoltert haben, vermutlich Mitglieder eines russischen Sondereinsatzkommandos“, sagt er. „Sie durchbohrten meine Hände mit Nägeln und prügelten mit Gummiknüppeln auf mich ein.“ Die letzten drei Nächte hätte er in seinem eigenen Blut schlafen müssen. Behandelt wurde er danach in einem Krankenhaus in der litauischen Hauptstadt Vilnius. Die dortigen Behörden bestätigten, dass er gefoltert wurde.

Geblieben ist neben den Narben und den körperlichen Einschränkungen ein Hirntrauma. Von seinem Vorhaben abhalten lassen will er sich deshalb aber nicht: „Auch wenn das vor dem Hintergrund der Folter nicht einfach ist, werde ich den Widerstand fortsetzen.“ Damit, dass die Gegner von Janukowitsch auf dessen Forderungen eingehen und die Besetzung öffentlicher Plätze und Gebäude in Kiew beenden werden, rechnet er nicht. Der Druck in der Ukraine werde eher noch zunehmen, sagt Bulatow.

Am Montag trifft sich Dimitri Bulatow mit verschiedenen Politikern im Auswärtigen Amt. Wenn Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ebenfalls am Montag die ukrainischen Oppositionsführer Vitali Klitschko und Arseni Jazenjuk empfängt, wird er jedoch nicht dabei sein.

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