Politik : Gefühlschaos nach Befreiung Sgrenas

Die Nachricht von der Befreiung Giuliana Sgrenas kam völlig unerwartet und stürzte ganz Italien zunächst in einen Freudentaumel. Doch dann berichtete das Fernsehen, die Journalistin sei auf dem Weg zum Flughafen bei einer Schießerei mit amerikanischen Soldaten verletzt worden. (04.03.2005, 22:55 Uhr)

Rom - Ein italienischer Geheimdienstmitarbeiter starb, als er versuchte, die Reporterin mit seinem Körper zu schützen. Und so mischte sich unversehens in die Freude Trauer und Empörung. «Wir sind wie versteinert», sagte der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi.

Er werde umgehend den US-Botschafter in Rom zu sich bestellen, sagte Berlusconi. «Für einen so schwerwiegenden Vorfall muss jemand die Verantwortung übernehmen.» Vize-Ministerpräsident Gianfranco Fini sagte, er empfinde «großen Schmerz». Der Beamte habe «nicht gezögert, sein Leben zu opfern, um das von Giuliana Sgrena zu retten».

Ein Flugzeug der Regierung soll Sgrena am Samstag von Bagdad nach Hause fliegen. «Ich bin voller Kanülen und Fäden, aber es geht mir gut», sollen nach Fernsehabgaben die ersten Worte der an der Schulter verletzten Reporterin gewesen sein.

Die sich überschlagenden Nachrichten sorgten im ganzen Land für ein wahres Gefühlschaos. Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi meinte: «Heute Abend ist ganz Italien vereint. Willkommen zurück, Giuliana.»

Papst Johannes Paul II., der in der römischen Gemelli-Klinik liegt, erhielt die Nachricht am Krankenbett. Er sei «sehr glücklich», hieß es. Der Papst hatte am 13. Februar zur Freilassung Sgrenas und aller Geiseln im Irak aufgerufen. Auch bei der Familie der Italienerin kannte die Freude keine Grenzen. «Wir sind so glücklich, wir haben immer daran geglaubt», freute sich Sgrenas Bruder.

Seit genau einem Monat hatten die Italiener um das Schicksal der Journalistin gebangt, die von Unbekannten verschleppt worden war. In der Redaktion der linken römischen Zeitung «Il Manifesto», für die Sgrena schreibt, knallten die Sektkorken.

(Von Carola Frentzen, dpa) ()

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