Politik : Gegen alle Klone

16.01.2003 00:00 UhrVon Markus Feldenkirchen

Auf Druck der Grünen ändert das Außenamt seine Taktik – und will nun doch jede Form des Kopierens von Menschen verbieten

Manchmal ändern Regierungen so schnell ihre Ansichten, dass man kaum folgen kann. Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt Kerstin Müller liefert dafür gerade ein Beispiel. Erst vorige Woche hatte Müller erklärt, die Regierung halte an ihrer alten Taktik fest, um bei den Vereinten Nationen ein internationales Klonverbot durchzusetzen. Bei den im Oktober in New York gescheiterten Verhandlungen hatten Deutschland und Frankreich versucht, zunächst nur eine Ächtung des reproduktiven Klonens durchzusetzen. Also jene Form des Menschen-Kopierens, mit der die Sekte der Raelianer das erste Klonbaby „Eve“ gezeugt haben will. Erst danach wollte man auch eine Ächtung des therapeutischen Klonens erreichen, das sich der gleichen Technik bedient, aber ein anderes Ziel verfolgt: nicht die Züchtung von gengleichen Menschen, sondern von embryonalen Stammzellen zur Heilung von Krankheiten.

Nun hat Müller einen taktischen Kurswechsel der Regierung verkündet: Bei Verhandlungen im Herbst sollen doch alle Klonformen verboten werden. Was war geschehen?

Gewiss erhöhte die vermeintliche Geburt des ersten Klonbabys den Zeitdruck. Entscheidend aber war der interne Druck auf das grün-geführte Auswärtige Amt. Denn nicht nur die Union, gerade auch die Grünen hatten der eigenen Regierung vorgeworfen, das Verbot verschleppt zu haben, und einen Kurswechsel gefordert. Ihr Wille war Müller und Fischer Befehl. Mit „einer Art Öffnungsklausel“ wollen Deutschland und Frankreich nun jenen Staaten, die das therapeutische Klonen schon erlaubt haben, eine Zustimmung ermöglichen. Dazu zählen einflussreiche Länder wie England, China, Russland, Indien oder Israel. Ausgereift sind die Pläne nicht. „Irgendwie“ werde man das schon hinbekommen, heißt es. So mutmaßen andere in der Regierung, dass die Abkehr von der mit guten Gründen verfolgten Strategie weniger außen- als innenpolitisch motiviert ist.

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