Politik : Gegen die Schwester

Die CDU kritisiert Seehofer, die CSU setzt Merkel herab

Robert Birnbaum

Im Reformstreit zwischen CDU und CSU hat die CDU durch den Verlauf ihres Parteitags so viel Oberwasser bekommen, dass sie jetzt offen die CSU zum Einlenken drängt. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff forderte die Schwesterpartei auf, sich von deren Parteivize Horst Seehofer zu distanzieren. Wulff tat das in der „Neuen Presse“ aus Hannover mit einem Vergleich, von dem sich Seehofer aussuchen kann, ob er ihn schmeichelhaft findet oder frech. Gemeint war er jedenfalls frech: „So wie wir uns ein Stück weit von Norbert Blüm und Heiner Geißler absetzen mussten, muss sich die CSU von Horst Seehofer absetzen.“

Das wird die CSU nicht tun, denn Seehofer ist vom Altenteil ein gutes Stück entfernt. Außerdem geht den Christsozialen der Stellvertreter von Parteichef Edmund Stoiber zwar selbst manchmal kräftig auf die Nerven, aber als Amokläufer gilt er in München nicht. Dort wird daran erinnert, dass Seehofer sich von der Idee der Bürgerversicherung verabschiedet habe und auch gegen einen steuerfinanzierten Sozialausgleich nicht mehr so prinzipiell zu Felde ziehe wie ehedem.

Die offizielle CSU-Replik auf die Zurechtweisung, die der CDU-Parteitag dem Gastredner Stoiber durch demonstrative Missachtung verpasst hatte, geht gleichwohl auf die CDU mit Verständnisformeln zu. Das übernahm Bayerns Landtagspräsident Alois Glück. Es sei schon nachvollziehbar, dass die CDU gewisse Anmerkungen aus Bayern zu ihren Reformprojekten als verletzend empfunden habe, sagte Glück im Inforadio Berlin-Brandenburg. Aber der alte Fuchs stellt zugleich zwei Dinge aus Münchner Sicht klar: In der ganz und gar nicht aktuellen Kanzlerkandidatenfrage sei CDU-Chefin Angela Merkel „eine erste Anwärterin“ (will sagen: aber mehr auch nicht). Und außerdem freue sich die CSU doch, dass die CDU nach einer „schwierigen Phase“ wieder „so Tritt gefasst hat“. Da kann sich nun die CDU aussuchen, ob sie das schmeichelhaft findet oder eher doch wieder ein bisschen frech.

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