Politik : Gegen-Steuern

Markus Feldenkirchen

+Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Über SPD-Generalsekretär Olaf Scholz heißt es, er habe seine Emotionen noch besser unter Kontrolle als Hans Eichel den Bundeshaushalt. Berichte über besondere Erregungen, gar Wutausbrüche, liegen uns jedenfalls nicht vor. Insofern war Scholz’ Gesichtsausdruck am Mittwochabend schon eine kleine Revolution. Sehr grimmig, die Lippen gepresst, die Augen zu Schlitzen zusammengezogen, blickte er den Moderator Michel Friedman an, als dieser ihm in gleichnamiger Talkshow einen Aufkleber überreichen wollte, den die „Bild“-Zeitung seit einigen Tagen unter ihre Leser jubelt. „Steuern runter! Macht Deutschland munter“, nennen die „Bild“-Macher ihren jüngsten Versuch, selbst Politik zu machen. Erst vor kurzem hatte das Blatt ja die gierigen Abgeordneten des schleswig-holsteinischen Parlaments in die Knie gezwungen und deren schamlosen Beutezug auf Kosten des kleinen Mannes gestoppt! Nach diesem Erfolg war – Gerüchten zufolge – bei „Bild“ sogar erwogen worden, in der nächsten Kampagne den „Anfang vom Ende“ zu fordern. Aber dann sei man sich doch nicht klar gewesen, wo das alles hinführt. Also besann man sich auf handfestere Forderungen, aufs Runtersteuern also, was beim Leser auf sehr viel Interesse stieß – der Sticker hat angeblich schon millionenfachen Absatz gefunden. Nur der grimmige Scholz hat derzeit keine Lust aufs Muntermachen, erst recht nicht aufs Muntersein. Den Aufkleber wollte er sich – von Friedmans forschem Vorstoß sichtbar überrascht – nicht ans Revers heften. Dabei hätte er viel souveräner auf den „Bild“-Sticker reagieren können. Warum denkt die SPD-Führung nicht längst über die Einführung einer Aufkleber-Steuer nach?

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