Politik : Gegenwind für Hamburgs SPD-Chef

Für fünf von sieben Kreisverbänden ist Mathias Petersen nicht der geeignete Herausforderer von CDU-Amtsinhaber Ole von Beust

Dieter Hanisch[Hamburg]

Wie von einem Orkan wird die Hamburger SPD zurzeit durchgeschüttelt. Aus fünf von sieben Kreisverbänden hat der Landesvorsitzende Mathias Petersen Gegenwind zu spüren bekommen. Sie halten den SPD-Chef nicht für den geeigneten Herausforderer von CDU-Bürgermeister Ole von Beust bei den Bürgerschaftswahlen 2008. Am Montag tagte der Landesvorstand bis in den späten Abend hinein, um der Krise Herr zu werden.

Seit dem Ende der Bürgermeisterära von Henning Voscherau 1997 haben die Sozialdemokraten keine charismatische Persönlichkeit mehr an der Spitze. Die SPD bringt es in ihrer einstigen Hochburg Hamburg auch deshalb nur noch auf rund ein Drittel der Wählerstimmen. Jüngste Umfragen hatten der Partei allerdings eine aufsteigende Tendenz prognostiziert. Auch der Bekanntheitsgrad des Spitzenmannes Petersen ist deutlich gestiegen. Eigentlich ohne Not ist nun intern ein Streit um die von Petersen selbst erklärte Spitzenkandidatur für die Wahl 2008 ausgebrochen. Das lässt darauf schließen, dass über eine längere Zeit manche Probleme ausgesessen statt gelöst wurden.

Der Allgemeinmediziner ist bis heute nicht der klassische Politprofi. Wenn es irgendwie geht, steht der 51-Jährige täglich noch acht Stunden in seiner Arztpraxis. Es ist auch nicht seine Sache, sich in der Medienlandschaft in Szene zu setzen. Und wenn er es populistisch versuchte, eckte er in den eigenen Reihen an – etwa als er forderte, Sexualstraftäter via Internet öffentlich anzuprangern.

Zugleich traf Petersen parteiinterne Entscheidungen, die ihm jetzt zum Verhängnis werden könnten. So setzte er im Sommer 2006 Landesgeschäftsführer Ties Rabe vor die Tür, der als Kreisvorsitzender in Bergedorf Petersen nun keine Gefolgschaft mehr leistet. Aber auch der mächtige Kreisverband Mitte mit dem Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs und sogar der Kreisverband Altona, dem Petersen angehört, sind vom SPD-Chef abgerückt. Trotzig sagte Petersen in der Vorwoche: „Ich lasse mich nicht umpusten.“ Auf alle Fälle wolle er an seiner Kandidatur festhalten. Möge man ihm doch einen Gegenkandidaten präsentieren und dann die 11 500 Mitglieder entscheiden lassen. Er setzt ganz auf die Basis, die ihm 2004 schon einmal das Vertrauen aussprach, als er bei einer Mitgliederbefragung über die Parteiführung den damaligen Favoriten Knut Fleckenstein ausstach. Auch von prominenter Seite erhielt Mathias Petersen jüngst Zuspruch: Altgediente SPD-Leute wie Henning Voscherau oder Ortwin Runde stützen ihn, auch Verdi hat ihm Rückendeckung zugesichert.

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