Gehälter der Krankenkassenchefs : Weniger oder kaum mehr

Trotz Milliardenüberschüssen bleiben die Spitzengehälter bei den großengesetzlichen Krankenkassen weitgehend stabil. Im Schnitt kommen die Vorstände auf knapp 250 000 Euro.

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Mit rund fünf Milliarden Euro schafften die gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr den höchsten Überschuss ihrer Geschichte. Doch der Verlockung zur Selbstbedienung haben ihre Chefs offenbar weitgehend widerstanden. Wie schon im Jahr zuvor stiegen die Einkünfte der Kassenvorsitzenden auch 2012 nur mäßig, wie sich aus der frisch veröffentlichten Gehaltsauflistung im Bundesanzeiger ersehen lässt. Bei einigen Versicherern wurde sogar weniger gezahlt als im Vorjahr.

Das höchste Vorstandsgehalt leistete sich auch im vergangenen Jahr die finanziell besonders üppig ausgestattete Techniker Krankenkasse (TK). Ihr neuer Vorsitzender Jens Baas kam im vergangenen Jahr auf 276 450 Euro. Wegen Vorstandswechseln und Fusionen sind die Zahlen allerdings nicht ohne Weiteres vergleichbar. So blieb Baas beispielsweise um 7000 Euro unter dem Vorjahresgehalt seines Vorgängers Norbert Klusen – was damit zu tun hat, dass er erst Mitte 2012 vom Vize- auf den Chefposten gerückt war.

Auch der zweitbeste Verdiener, Christoph Straub vom Branchenprimus Barmer GEK, erhielt mit knapp 21 000 Euro im Monat nicht mehr ausbezahlt als im Vorjahr. Allerdings war ihm das Vorstandsgehalt zum Amtsantritt Mitte 2011 gleich um 19 Prozent erhöht worden. Es liegt seither bei 250 000 Euro im Jahr. Und der Barmer-Chef hat noch einen weiteren geldwerten Vorteil im Vertrag: Er bekommt sein Gehalt auch im Falle einer Amtsenthebung bis zum Ende der Amtsperiode in voller Höhe weitergezahlt. Bei der TK etwa ist das ausdrücklich nicht der Fall.

Den höchsten Aufschlag gab es im vergangenen Jahr für den Obersten der bayerischen AOK. Helmut Platzer konnte sich über eine Erhöhung um 6,5 Prozent freuen, er verdiente damit insgesamt 241 132 Euro. Sein Kollege von der (für Sachsen und Thüringen zuständigen) AOK Plus, Rolf Steinbronn, kam inklusive variabler Anteile auf 242 710 Euro – das sind 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Christopher Hermann, dagegen musste ein Minus von 4,1 Prozent hinnehmen. Für ihn gab es diesmal nur noch 212 000 Euro.

Finanziell gut stehen auch die Vorsitzenden der beiden einstmals klammen Kassen dar, die sich 2012 wieder ihres Zusatzbeitrags entledigen konnten. Herbert Rebscher von Deutschlands drittgrößter Kasse DAK erhielt 242 540 Euro, ein Plus von 0,7 Prozent. Und Ingo Kailuweit von der KKH legte um 4,9 Prozent zu. Er kam, seinen variablen Bonus eingerechnet, auf 231 176 Euro. Unter den Spitzenverdienern finden sich aber auch Funktionäre kleinerer Kassen wie etwa der Pronova BKK mit grade mal 660 000 Versicherten. Ihr Vorstandschef Hans-Joachim Röminger verdiente im vergangenen Jahr 244 218 Euro,  sein Aufschlag betrug 4,3 Prozent. Und die Chefin des Spitzenverbands aller gesetzlichen Kassen, Doris Pfeiffer, bekam 235 000 Euro. Das waren 5000 Euro mehr als im Vorjahr, ein Plus von 2,2 Prozent.

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