Politik : Gehaltvolle Luft

USA haben Radioaktivität gemessen – Bestätigung für Pjöngjangs Atomtest?

Ruth Ciesinger

Berlin - Dem Überwachungssystem der Internationalen Atomteststoppbehörde entgeht wenig. Insgesamt 337 Stationen weltweit werten nach Angaben der Organisation rund um die Uhr akustische, seismische oder andere Signale danach aus, ob irgendein Land einen Atomtest durchgeführt hat. Noch am Freitag waren bei der Behörde keine Informationen eingelaufen, die endgültig bestätigt hätten, was Nordkorea behauptet – dass am vergangenen Montag ein Nukleartest stattgefunden hat. Zwar wurde eine massive Explosion registriert, doch bisher hatten Messstationen keine radioaktiven Partikel in der Luft entdeckt, so dass auch eine chemische Explosion nicht ganz ausgeschlossen werden kann. Entsprechend aufregend war deshalb am Samstag die Nachricht aus den USA: Eine Maschine der amerikanischen Luftwaffe habe Anzeichen radioaktiver Strahlung über dem Meer zwischen Japan und Korea entdeckt.

Zwar wollte man sich in Washington mit einer endgültigen Festlegung zurückhalten. Erst wenn die Geheimdienste ihre Analyse beendet hätten, werde man diese öffentlich machen, zitiert die „Washington Post“ den Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates. Südkorea und Japan, die beiden US-Verbündeten in der Region, wurden aber bereits informiert.

Die USA drängen darauf, eine Resolution zu Nordkorea im UN-Sicherheitsrat durchzusetzen. Direkt nach dem Test war der Eindruck entstanden, China und Russland würden eine scharfe Reaktion auf Pjöngjangs Treiben stützen. Doch in den vergangenen Tagen wurde der Entwurf wieder dreimal abgeschwächt, um Bedenken aus Peking und Moskau Rechnung zu tragen. Die beiden Vetomächte im Sicherheitsrat sind zwar ebenfalls wenig angetan von den nordkoreanischen Atomplänen, wollen aber zu starken Druck auf das Regime vermeiden. China hat zum Beispiel kein Interesse daran, dass der stalinistisch geführte Nachbarstaat zusammenbricht. Einerseits würde ein Puffer zum US-Verbündeten Südkorea fehlen, und andererseits würden die zu erwartenden Flüchtlingsströme aus Nordkorea die chinesischen Provinzen destabilisieren.

Nach Angaben der „Washington Post“ ist in dem Resolutionsentwurf nun beispielsweise keine Rede mehr davon, dass Sanktionen militärisch durchgesetzt werden könnten; weniger Importe und Exporte aus und nach Nordkorea sollen kontrolliert werden; ein völliges Embargo für konventionelle Waffen ist ebenfalls nicht mehr vorgesehen. Trotzdem war unklar, ob das oberste UN-Gremium an diesem Samstag noch einen Beschluss treffen würde.

Experten gehen außerdem davon aus, dass Sanktionen nur sinnvoll sind, wenn sie unter anderem eine wirklich strenge Kontrolle der Seewege ermöglichen. Nur so kann unter anderem verhindert werden, dass spaltbares Material aus dem Land verschwindet. Und solche Sanktionen hätten vielleicht eine Wirkung, die tatsächlich Nordkoreas Führungsclique treffen. Denn zum einen gibt es schon Beschränkungen und Embargos, und zum anderen geht es der Zivilbevölkerung so schlecht, dass niemand deren Lage weiter verschlimmert möchte.

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