Politik : Geheimdienste der USA: Irakkrieg hat Terror gefördert

Christoph von Marschall

Washington - Der Irakkrieg hat den Terrorismus befördert. Mit diesem gemeinsamen Urteil widersprechen die US-Geheimdienste dem Präsidenten George W. Bush, der unbeirrt behauptet, der Krieg habe die USA sicherer gemacht. Der dreißigseitige Bericht „Trends im globalen Terrorismus: Konsequenzen für die USA“ sei die erste umfassende Analyse der Entwicklung durch die 16 Dienste seit Beginn des Irakkrieges 2003, schreiben die US-Sonntagszeitungen. „Der Irakkrieg hat das Terrorismusproblem verschlimmert“, beschreibt ein Geheimdienstler die Kernaussage. Eine „zentrale“ Ursache für die weltweite Ausbreitung der Dschihad-Ideologie durch radikale Islamisten liege im Irak.

Eine Analyseabteilung fasst regelmäßig die Erkenntnisse der 16 Dienste zu Einzelthemen in „National Intelligence Estimates“ zusammen. Diese Berichte werden im Geheimdienstausschuss des Kongresses debattiert. Als Fehler gilt heute die Analyse der Dienste von 2002 über angebliche Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins. Doch die Geheimdienstler hatten auch schon im Januar 2003, zwei Monate vor Beginn des Irakkriegs, gewarnt, der Krieg könne die Unterstützung für den militanten Islam und verschiedene Terrorgruppen erhöhen.

Selbst wenn es gelinge, Irak zu befrieden, drohten neue Gefahren, warnt der Bericht: Militante Islamisten würden in ihre Heimatländer zurückkehren und dort den Kampf fortsetzen. Das Internet sei außerdem zum neuen Rückzugsraum für Terroristen geworden. Im Cyberspace würden Angriffe geplant und technische Anleitungen geliefert. 5000 radikalislamische Websites verbreiten die Botschaft, der Westen wolle die muslimische Welt unterwerfen – und die Besetzung Iraks sei ein Schritt dazu. Laut „New York Times“ wurde debattiert, den Folterskandal in Abu Ghraib und das Gefangenenlager Guantanamo in die politische Analyse zur Ausweitung des Terrors stärker einzubeziehen.

Im Irak selbst verschlimmerte sich die Sicherheitslage weiter. Zum Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan starben an diesem Wochenende bei Anschlägen mindestens 57 Menschen, 67 wurden verletzt.

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