Geisel-Drama auf den Philippinen : Deutsche angeblich frei

Die Terrorgruppe Abu Sayyaf hat ihre beiden deutschen Geiseln offenbar freigelassen. Ein Sprecher hatte zuvor behauptet, ein Teil des geforderten Lösegeldes sei gezahlt worden. Ob das stimmt und woher das Geld stammt, ist unklar.

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Ein Video, aufgenommen im August, soll die beiden Deutschen und ihre Entführer zeigen.
Ein Video, aufgenommen im August, soll die beiden Deutschen und ihre Entführer zeigen.Foto: dpa

Zwei auf den Philippinen entführte Deutsche sollen nach Angaben eines lokalen Radiosenders frei sein. Der Sender DXRZ mit Sitz in der Stadt Zamboanga bezog sich dabei am Freitag auf einen Sprecher der
islamistischen Terrorgruppe Abu Sayyaf. Zunächst gab es keine offizielle Bestätigung dafür. Ein Sprecher der Entführer hatte zuvor bekannt gegeben, die Gruppe habe einen Teil des verlangten Lösegeldes erhalten. Daher werde die männliche Geisel nicht getötet, sagte der Informant, der sich als Mitarbeiter des Sprechers der Abu Sayyaf bezeichnete. Wie viel von den geforderten rund 4,3 Millionen Euro gezahlt wurde, wollte er nicht sagen. Auch nicht, wer das Geld zahlte. In philippinischen Regierungskreisen hieß es, rund 60 Millionen Pesos (1,04 Millionen Euro) seien gezahlt worden. Der Rest des Geldes solle nach weiteren Verhandlungen fließen.

Steinmeier schickt Vermittler

Die Extremisten hatten damit gedroht, einen der Gefangenen hinzurichten. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass ein Krisenbeauftragter vor Ort ist. Details wurden nicht genannt. Medienberichten zufolge sollte er Gespräche zur Freilassung der Geiseln führen. Die Extremisten hielten seit gut einem halben Jahr einen um die 70 Jahre alten Arzt und eine Frau Mitte 50 aus Deutschland fest. Sie waren mit einer Yacht unterwegs, als sie im April verschleppt wurden. Die Extremisten forderten neben dem Lösegeld, dass Deutschland seine Unterstützung der von den USA geführten Militärkampagne gegen die radikale Miliz "Islamischer Staat" (IS) im Irak und in Syrien beenden. Ob Abu Sayyaf Verbindungen zum IS hat, ist nicht klar.

Die philippinische Armee soll nach Ablauf des Ultimatums am Freitagmorgen Verstecke der Abu Sayyaf ausgehoben haben. "Ein Bataillon ist eingerückt", sagte ein Angehöriger der Streitkräfte, der anonym bleiben wollte. Er sprach von einer Rettungsaktion. Ein offizieller Sprecher der Armee wollte die Truppenbewegung nicht bestätigen. Ein weiterer Offizier bestätigte den laufenden Einsatz jedoch unter vorgehaltener Hand. Zuvor war bekannt geworden, dass die Bundesregierung ihre Bemühungen verstärkt hatte, die Geiseln zu befreien. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) entsandte seinen Krisenbeauftragten Rüdiger König in die Region, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Freitag in Berlin sagte. Der frühere deutsche Botschafter in Afghanistan sei am Donnerstag in der philippinischen Hauptstadt Manila gelandet.

Die Entführer verlangen 4,4 Millionen Euro Lösegeld

Die Islamisten hatten in einem im Internet veröffentlichten Video gedroht, die zwei deutschen Geiseln zu töten, würden ihre Forderungen nicht bis Freitag erfüllt. Die Gruppe verlangte ein Lösegeld von umgerechnet 4,4 Millionen Euro. Abu Sayyaf hatte die beiden Deutschen vor einigen Monaten in seine Gewalt gebracht, als diese mit einer Yacht in der Nähe der Insel Palawan unterwegs waren. Die philippinische Regierung hatte nach Bekanntwerden des Ultimatums Verhandlungen mit den Extremisten ausgeschlossen. Der IS hatte in den vergangenen Monaten wiederholt westlicher Bürger enthauptet und Aufnahmen der Morde ins Internet gestellt. Sie riefen zudem ihre Unterstützer dazu auf, Bürger zu töten, deren Heimatländer sich an der internationalen Koalition gegen die Dschihadisten beteiligen.

Im Jahr 2000 war die Familie Wallert von der Terrorgruppe entführt worden

Im Jahr 2000 verschleppten Abu-Sayyaf-Terroristen die deutsche Familie Wallert und andere Touristen von einer Taucherinsel in Malaysia nach Jolo (Philippinen). Die Wallerts kamen erst nach mehr als drei Monaten frei. Zuvor hatte Libyen den Separatisten pro Kopf eine Million Dollar als "Entwicklungshilfe" gezahlt. Die Bundesregierung kommentierte das damals nicht.

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