Politik : Geisel in Pakistan frei – 20 Tote

Islamabad/London - Zwei Monate nach dem Tod ihres Anführers haben die Taliban in Pakistan ihre Schlagkraft mit einem beispiellosen Angriff unter Beweis gestellt. Kämpfer attackierten das Armee-Hauptquartier der Atommacht. Nach Angaben des Militärs wurden 20 Menschen getötet. Bei dem Gefecht am Samstag kamen zunächst fünf Aufständische und sechs Soldaten ums Leben. Die Angreifer verschanzten sich dann mit Geiseln in einem Gebäude am Rand des Hauptquartiers in der Garnisonsstadt Rawalpindi nicht weit von Islamabad. Soldaten einer Eliteeinheit stürmten das Gebäude am Sonntag und befreiten 39 Geiseln. Bei der Kommandooperation starben nach Armeeangaben drei Geiseln, zwei Angehörige der Spezialeinheit und vier der Geiselnehmer.

Die Gefechte und die Geiselnahme dauerten insgesamt 22 Stunden an. Der Anführer der Extremisten – Aqeel alias Dr. Usman – sei verwundet gefangen genommen worden, sagte Armeesprecher Athar Abbas. Er habe den Soldaten bis zuletzt Widerstand geleistet und schließlich einen Sprengsatz gezündet. Bei der Explosion seien Aqeel sowie fünf Soldaten der Spezialeinheit schwer verletzt worden. Bei den getöteten Geiseln habe es sich um einen Soldaten und zwei Zivilisten gehandelt, die für die Armee arbeiteten.

Die pakistanischen Taliban hatten Rache für den Tod ihres Anführers Baitullah Mehsud geschworen, der im August bei einem US-Raketenangriff in Süd-Waziristan nahe der afghanischen Grenze getötet worden war. Als sein Nachfolger wurde Hakimullah Mehsud bestimmt. Die Angreifer, die Armeeuniformen trugen, waren in einem Minibus mit gefälschten Militärkennzeichen auf die Basis zugefahren. Am äußeren Sicherheitsring eröffneten sie das Feuer und warfen Handgranaten.

Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari beglückwünschte die Streitkräfte am Sonntag zu der Operation gegen die Terroristen. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte in London, der Angriff zeige, dass die Extremisten in Pakistan „zunehmend die Autorität des Staates bedrohen“. Dennoch zweifle sie nicht an der Sicherheit der Atomwaffen. „Wir vertrauen der pakistanischen Regierung und der Kontrolle des Militärs über ihre Nuklearwaffen.“ dpa

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