Politik : Geiseldrama auf den Philippinen: Weiterer Deutscher auf Jolo entführt

Die Moslemrebellen auf der philippinischen Insel Jolo haben am Sonntag einen weiteren Deutschen entführt. Nach Polizeiangaben kidnappten vier Bewaffnete, offenbar Abu-Sayyaf-Mitglieder, den "Spiegel"-Korrespondenten Andreas Lorenz. Seit Samstag sind allem Anschein nach auch ein christlicher TV-Prediger und zwölf seiner Gefolgsleute in der Gewalt der Rebellen. Die deutsche Geisel Renate Wallert beklagte in einem Brief, der am Wochenende in einer philippinischen Tageszeitung erschien, "schreckliche Bedingungen" für die zehn westlichen Entführten. Die philippinische Regierung setzte am Sonntag den Kontakt zu den Geiselnehmern aus.

Lorenz habe eine Kontaktperson in einem Dorf in der Nähe der Stadt Jolo treffen wollen, als er von den Bewaffneten entführt worden sei, sagte ein Polizeisprecher. Der philippinische Fahrer des deutschen Journalisten berichtete, sie seien mit Pistolen bedroht worden. Die Kidnapper hätten ihn selbst dann zurückgeschickt. Für Lorenz ist es die zweite Entführung innerhalb eines Monats. Er gehörte Anfang Juni zu jener Journalistengruppe, die sich bis zur Zahlung von umgerechnet rund 50 000 Mark Lösegeld für kurze Zeit in der Gewalt der Abu-Sayyaf-Rebellen befand. Die Korrespondenten hatten die von den Rebellen verschleppten 20 Geiseln in dem Abu-Sayyaf-Dschungelversteck auf Jolo besuchen wollen.

Die "Spiegel"-Zentrale in Hamburg wollte die Entführung zunächst nicht bestätigen. Der Leiter der Auslandsredaktion, Olaf Ihlau, zeigte sich aber besorgt, weil sich Lorenz nicht wie abgesprochen per Satellitentelefon in der Hamburger Redaktion gemeldet hatte. Dies spreche dafür, dass die Meldungen über eine Entführung richtig seien. Europäische Kollegen von Lorenz in Peking, wo sich zur Zeit sein Hauptbüro befindet, bezeichneten ihn als einen besonnenen und erfahrenen Asien-Korrepondenten, der sich nie leichtsinnig in Gefahr begebe.

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