• Geiseldrama auf Jolo: Der Außenminister greift ein: Es geht um einen großen Erfolg - die Freilassung

Politik : Geiseldrama auf Jolo: Der Außenminister greift ein: Es geht um einen großen Erfolg - die Freilassung

Thomas Kröter

"Herrn Hofer", bilanziert Joschka Fischer mit einem unausgesprochenen Seufzer der Erleichterung, "haben wir durch geduldiges Verhandeln zurückbekommen." Zum Tode verurteilt war der deutsche Kaufmann im Iran - irgendwann durfte er ausreisen, obwohl die iranischen Attentäter auf das Berliner Restaurant "Mykonos" noch in deutscher Haft sitzen. Kein Austausch, wie lange vermutet. Die Geduld nicht nur des deutschen Außenministers wird auch seit dem 23. April strapaziert, als 21 deutsche Touristen auf der philippinischen Insel Jolo entführt wurden. Damit der Seufzer der Erleichterung nicht noch einmal Monate auf sich warten lässt, greift Joschka Fischer zum ersten Mal nicht nur hinter den Kulissen, sondern auf offener Szene in die Verhandlungen ein.

Die Mission in Manila, die er gemeinsam mit seinem französischen Kollegen Hubert Vedrine und dem Finnen Erkki Tuomioja unternimmt, ist nicht ohne Risiko. Sicher, dass Vertreter der drei europäischen Staaten, aus denen Geiseln stammen, sich einschalten, lässt darauf schließen, dass sich etwas bewegt. Die Unterhändler der philippinischen Regierung sind wieder auf der Entführungsinsel. Erstmals haben sie den Anführer der Kidnapper "Commander Robot" getroffen. Besonders für die kranke Deutsche Renate Wallert bestehe Hoffnung, hieß es danach. Aber hieß es das nicht schon öfter?

Nein, die Reise der drei europäischen Außenminister signalisiert nicht nur Bewegung, sondern auch die Dramatik der Situation. Intensiv ist in den vergangenen Wochen die Kommunikation mit der philippinischen Regierung gewesen. Der Quasi-"Außenminister" der EU, Javier Solana, hat sich intensiv gekümmert. Aber er ist eben nur Quasi-Außenminister. Fischer und Co. kommen nicht im Namen einer nur in Ansätzen existierenden gemeinsamen Außenpolitik, sondern als Vertreter dreier Staaten.

Ihnen geht es, natürlich, um einen großen Erfolg - um die Freilassung. Aber zunächst wäre schon einmal ein kleiner Erfolg, was im diplomatischen Jargon eine "Verstetigung der Verhandlungsführung" genannt wird. Nie käme einem Politiker aus Berlin, Paris oder Helsinki ein Wort der Kritik an der philippinischen Gesprächsführung über die Lippen. Dennoch ist klar: Hätten die Regierungen das Heft selbst in der Hand, sie könnten ihrer Sache sicherer sein. Präsident Estrada steht unter enormem innenpolitischen Druck. Er fürchtet um den Bestand seines Landes, würden Autonomiebestrebungen durch "Weichheit" gegenüber den Entführern befördert.

Denen ist das bewusst. Deshalb geht es bei den Verhandlungen nicht nur um ein wenig Politik und viel Lösegeld, nicht nur um Sicherheit für die Geiseln, sondern auch für deren Entführer. Die Frage muss gelöst werden, wie sie nach der Freilassung ihrer Opfer untertauchen können, ohne von der philippinischen Armee getötet zu werden. Es ist wohl richtig, dass hier bei der Regierung in Manila noch ein gewisser Überzeugungsbedarf besteht. Dem nicht zuletzt wollen die drei Minister abhelfen. Auf der anderen Seite müssen sie der Regierung die Angst nehmen, sie könnten auf eigene Faust eine Einigung an ihr vorbei anstreben. Denn dies würde die durchaus vorhandenen Tendenzen zu einer militärischen "Lösung" verstärken. Für die Geiseln wäre sie nach gemeinsamer Analyse der sichere Tod. Und das Lösegeld? Gibt es nicht, heißt es offiziell. Sicher nicht von den Staaten. Aber es gibt auch andere, private Instanzen.

Fischer und Co. haben es nicht nur mit einer äußerst komplizierten Lage zu tun, sondern auch mit einer anderen Kultur. Derlei Entführungen sind auf den Philippinen so selten nicht. Außerdem herrscht ein anderes Zeitgefühl - was, neben der Schönheit der Landschaft, zu den Faktoren zählte, die Urlauber auf die weite Reise locken. Diese Langsamkeit wird für die Opfer nun zur Belastung. Für sie ist die Verhandlungsgeduld eine viel größere Probe als für die Politiker. "Herr Hofer hat viel mitgemacht", hat Joschka Fischer gerade in der "Süddeutschen Zeitung" in einer Bilanz nach dem Besuch des iranischen Präsidenten Chatami gesagt. Und hinzugefügt: "Weiß Gott."

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