Politik : Geiseldrama auf Jolo: Libyen bietet Rebellen Entwicklungshilfe an

Libyen hat den Geiselnehmern der Abu-Sayyaf-Gruppe auf den Philippinen nach eigenen Angaben umfangreiche Entwicklungshilfe versprochen, um sie zur Freilassung von Geiseln zu bewegen. Der libysche Vermittler Radschab Assaruk sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag, sein Land habe Entwicklungsprojekte angeboten, die über den von den Geiselnehmern geforderten Umfang hinausgingen. Dies sei kein Lösegeld. Die Verhandlungen mit den Geiselnehmern verzögerten sich unterdessen erneut. Der philippinische Chefunterhändler Roberto Aventajado zog seine Ankündigung einer baldigen Freilassung dreier malaysischer Geiseln zurück. Die Rebellen halten noch mindestens 17 Menschen in ihrer Gewalt.

Die Entwicklungshilfe werde langfristig über die Internationale Gaddafi Wohlfahrtsorganisation und die philippinische Regierung fließen, sagte Assaruk. Zuvor hatten libanesische Zeitungen berichtet, Libyen stelle 25 Millionen Dollar (ungefähr 53 Millionen Mark) als Lösegeld bereit. Oberste Priorität genieße die Freilassung der aus dem Libanon stammenden Geisel Marie Moarbis, die während der Geiselhaft die französische Staatsbürgerschaft erhalten hat, hieß es in den Berichten. Außer ihr befinden sich noch zwei weitere Franzosen unter den Geiseln, zudem der Ehemann und der Sohn der inzwischen freigelassenen Renate Wallert aus Deutschland, zwei Finnen, zwei Südafrikaner, zwei Philippinen und drei Malaysier. Die Gruppe war am 23. April von einer malaysischen Ferieninsel aus entführt worden.

Um Entwicklungshilfe geht es nach Angaben von Aventajado auch in den Verhandlungen über die Freilassung der drei Malaysier, die wiederholt angekündigt worden ist, zuletzt für Montag oder Dienstag. Aventajado sagte jedoch am Sonntag, die malaysischen Regierungsvertreter kämen entgegen seiner Erwartungen erst am Dienstag zu weiteren Verhandlungen auf die Philippinen. Drei Malaysier waren bereits vorher freigekommen. Aventajado sagte, Rebellenchef Galib Andang habe in einem Telefonat mitgeteilt, die Abu Sayyaf sei bereit, alle Geiseln freizulassen. Die Gruppe warte jedoch noch auf Bewegung auf Seiten der Regierung.

Polizeikreisen zufolge hat die Abu Sayyaf für die bisher sieben freigelassenen Geiseln Lösegeld in Millionenhöhe kassiert. Von den Regierungen der betroffenen Staaten wurde dies nicht bestätigt. Das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat eingeräumt, für die Freilassung ihres Reporters Andreas Lorenz ein Lösegeld bezahlt zu haben. Angaben über die Höhe machte es nicht.

Zudem werden drei französische Journalisten weiterhin festgehalten, jedoch von einer anderen Gruppe der Abu Sayyaf als die 14 Touristen. Außerdem befinden sich zwölf philippinische Anhänger einer evangelistischen Bewegung in einem Lager Abu Sayyafs, die für die Geiseln beten wollten.

Die Abu Sayyaf kämpfen wie einige andere Rebellengruppen für einen unabhängigen Moslemstaat im Süden der überwiegend katholischen Philippinen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben