Politik : Geiseldrama auf Jolo: Manila lässt die Übergabe der Geiseln auf Jolo scheitern

Die Freilassung der seit vier Monaten auf Jolo gefangen gehaltenen Geiseln, darunter die Deutschen Marc und Werner Wallert, ist am Donnerstag am Veto des philippinischen Präsidenten Joseph Estrada gescheitert. Wie der Chefunterhändler der Regierung, Roberto Aventajado, mitteilte, bestand Estrada auf der Forderung, dass auch drei französische Journalisten aus der Gewalt der Moslem-Extremisten entlassen werden müssten. Die Abu-Sayyaf-Rebellen halten auf Jolo noch 13 der 21 Ende April von einer malaysischen Ferieninsel verschleppten Geiseln sowie die drei französischen Journalisten und ein Dutzend philippinischer christlicher Prediger fest.

Estrada habe ihn daran erinnert, "dass die Unterhändler für die Freilassung aller zu arbeiten hätten", sagte Aventajado. Deshalb benötige sein Team noch einen weiteren Tag, "um alle Vorbereitungen abzuschließen". Alle Geiseln würden nun zwischen Freitag und Montag freikommen, kündigte er an. Am Freitag werde er mit allen Botschaftern zusammentreffen, deren Länder Geiseln auf Jolo haben. Zuvor hatte Aventajado behauptet, die Geiselfreilassung sei am Donnerstag wegen schlechten Wetters gescheitert. Wegen der schlechten Sicht hätten die Regierungsunterhändler nicht nach Jolo fliegen können.

In der Gewalt der Abu Sayyaf sind aus der Gruppe der beiden Wallerts drei Franzosen, zwei Finnen, zwei Südafrikaner, drei Malaysier und ein Philippiner. Dazu kommen die drei Journalisten aus Frankreich und die philippinischen Prediger. Die Geiselnehmer wollten die Journalisten offenbar als Faustpfand zurückbehalten, da sie nach der Freilassung der Touristen mit einer massiven Militäraktion auf Jolo rechnen. Bewohner des Dschungelgebiets haben ihre Häuser deswegen bereits verlassen.

Am Montagabend war ein Flugzeug aus Libyen in Manila eingetroffen, das die Geiseln ausfliegen soll. Die Freigelassenen sollen zunächst nach Libyen geflogen werden, von wo aus sie weiter in ihre Heimatländer reisen können. Bisher wurden nach Angaben aus philippinischen Militärkreisen etwa 5,5 Millionen Dollar Lösegeld gezahlt, unter anderem für die Freilassung der Deutschen Renate Wallert und von sechs Malaysiern. Berichte, Libyen habe mehrere Millionen Dollar für die Freilassung der restlichen Geiseln versprochen, hat der libysche Gesandte Azzarouq dementiert. Dieser hat als Begleiter Aventajados in den bisherigen Verhandlungen eine wichtige Rolle gespielt.

Aus diplomatischen Kreisen in Manila verlautete, das einst von den USA als Förderer des Terrorismus beschuldigte Libyen wolle mit der Lösung des Geiseldramas seinen internationalen Ruf aufpolieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben