• Geiseldrama auf Jolo: Moslem-Rebellen lassen Geisel frei - Angeblich war Lösegeld im Spiel

Politik : Geiseldrama auf Jolo: Moslem-Rebellen lassen Geisel frei - Angeblich war Lösegeld im Spiel

Nach der Freilassung einer malaysischen Geisel auf der philippinischen Insel Jolo am Freitag wird wieder über die Zahlung von Lösegeld spekuliert. Bundesaußenminister Joschka Fischer bekräftigte aber am Freitag nach Gesprächen in Manila, dass die von der Geiselnahme betroffenen europäischen Regierungen nicht bezahlen würden. Sie verhandelten auch nicht mit den Entführern.

Nach Angaben aus Unterhändler-Kreisen wurde für den Malaysier ein Lösegeld von 15 Millionen Pesos (rund 690 000 Mark) bezahlt. Chefvermittler Roberto Aventajado bestritt dagegen jegliche Zahlungen. Den Angaben zufolge sollte Abdul Sulawat bereits am Donnerstag auf freien Fuß gesetzt werden. Dies sei aber verschoben worden, weil 2,8 Millionen Pesos fehlten. Die Aktion sollen malaysische Unterhändler arrangiert haben, die schon die Freilassung einer ersten malaysischen Geisel vor drei Wochen erreicht hatten.

Die Bundesregierung in Berlin begrüßte die Freilassung als positives Zeichen. Diese Entwicklung habe aber nichts mit dem Besuch von Außenminister Joschka Fischer in Manila zu tun, betonte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Fischer hatte am Donnerstag und Freitag intensive Gespräche in Manila geführt. Er wurde begleitet von den Außenministern Frankreichs und Finnlands, Hubert Vedrine und Erkki Tuomioja. Sie betonten, ein internationales Abkommen verbiete ihnen, Lösegeld zu zahlen. Aus offiziellen Kreisen war zuvor verlautet, die Abu Sayyaf habe ihre politischen Forderungen fallen lassen und verlange eine Million Dollar (2,09 Millionen Mark) für jede Geisel.

Fischer bewertete seine Gespräche in Manila als Erfolg. Es sei klar geworden, dass die philippinische Regierung von einer militärischen Lösung absehe. Damit sei der Nervositätit der vergangenen Wochen die Grundlage entzogen worden. Es würden auch keine Schritte unternommen, die zu unkalkulierbaren Risiken führten. Dazu gehöre, dass die europäischen Regierungen nicht über eigene Kanäle mit den Entführern in Kontakt träten.

In der Hand der moslemischen Extremistengruppe Abu Sayyaf befinden sich zurzeit noch 39 Geiseln. Unter den Entführten ist neben drei Mitgliedern der Göttinger Familie Wallert auch der "Spiegel"-Korrespondent Andreas Lorenz, der sich mit den Entführern treffen wollte. Das Geiseldrama begann am 23. April auf der malaysischen Urlauberinsel Sipadan. Dort entführten die Moslem-Rebellen 21 Urlauber und Hotelangestellte und brachten sie per Boot nach Jolo. Darunter sind auch ein französisches Paar, zwei Finnen, zwei Frauen aus Südafrika, eine Libanesin, acht Malaysier und zwei Philippiner. Angeblich erlitt eine der beiden Südafrikanerinnen im Dschungel eine Fehlgeburt. In der Hand der Rebellen befinden sich seit Anfang Juli auch 13 christliche Prediger, die im Dschungel vermitteln wollten. Bislang kamen erst zwei Geiseln frei, die beiden Malaysier Zulkamain Hashim und Abdul Jawan Selamat. Nach Angaben von Lokalpolitikern ist die Zahl der Moslemrebellen seit Beginn des Geiseldramas um ein Vielfaches gestiegen. Demnach hatte Abu Sayyaf zu Beginn nur einige Dutzend Anhänger, heute sind es etwa 1800. Aus Furcht vor einem Militärschlag habe die Gruppe inzwischen massenhaft neue Mitglieder geworben, vielfach Jugendliche. Einige von ihnen seien sicherlich auch mit der Aussicht auf hohe Lösegelder gelockt worden. Angeheuerte Späher auf Jolo hätten von den Rebellen 24 Dollar pro Tag versprochen bekommen, hieß es.

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