Politik : Geiseldrama auf Jolo: Warum Reporter ungeschützt sind

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36 Journalisten sind 1999 im Rahmen ihrer Tätigkeit in so genannten Krisengebieten ums Leben gekommen. Einen besonderen Rechtsschutz, der über die gängigen Auslandsversicherungen hinausgeht, oder eine verbindliche völkerrechtliche Regelung gibt es nicht. Selbst die Genfer Konvention sieht keine speziellen Regeln für den Umgang mit Journalisten in Kriegsgebieten vor. Nationale Gesetze zur Einhaltung der Presse- und Medienfreiheit reichen da nicht aus. "Rein rechtlich sind Reporter nicht besser geschützt als Touristen", sagt Heike Spieker, Völkerrechtlerin an der Universität Bochum. Selbst, wenn es eine Abmachung in der UN-Völkerrechtskonvention gäbe, stünden die Chancen schlecht, dass aggressive Kriegsführer oder Politiker ihre Armeen und Handlanger darauf einschwören würden, den Vertragstext zu respektieren.

Michael Rediske, Vorstandsmitglied der Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" weiß aus Erfahrung, dass Auslandskorrespondenten "häufig wie Kriegsteilnehmer behandelt werden". Einem kriminellen Staat gefährlich werden können Reporter, wenn sie (wie während der Balkan-Kriege) Massaker, Folter und ethnisch begründete Menschenrechtsverletzungen aufdecken oder (bei Recherchen über Mafia-Strukturen) Beweise veröffentlichen, die auf die unlautere Politik eines Regimes schließen lassen. Die Juristin Heike Spieker kritisiert aber auch die Reporter: "Oft halten die sich auch nicht an die Regeln." Der Erfolgsdruck aus den Redaktionen verleite sie oft zu waghalsigen Recherchen. Dabei werde vergessen, dass in Ländern wie Tschetschenien, Kolumbien oder in Südostasien die Geiselnahme von Journalisten zum politischen Geschäft gehört.

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