Politik : Geiseldrama auf Jolo: Wenn die Bundesrepublik interveniert

Für die direkte Intervention von Bundesaußenminister Fischer beim philippinischen Staatspräsidenten Estrada zu Freilassung der Geiseln gibt es Präzedenzfälle. Zumeist aber wurde in solchen Fällen mündlich oder schriftlich Kontakt aufgenommen, um den Eindruck einer Einmischung in innere Angelegenheiten eines anderen Landes zu vermeiden.

13. Oktober 1977: Ein palästinensisches Terrorkommando entführt die Lufthansa-Maschine Landshut mit 82 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern auf dem Flug von Mallorca nach Frankfurt in die somalische Hauptstadt Mogadischu. Sie wollen elf Häftlinge der Roten Armee Fraktion aus deutschen Gefängnissen freipressen. Im Auftrag von Kanzler Schmidt (SPD) führt Staatsminister Wischnewski vor Ort mit der somalischen Regierung und den Kidnappern Verhandlungen. Er erreicht von Somalia die Erlaubnis, dass die Maschine von der Bundesgrenzschutz-Sondereinheit GSG 9 gestürmt werden darf. Dabei werden die Geiseln unverletzt befreit und drei Luftpiraten erschossen.

18. August 1990: Gut zwei Wochen nach seinem Überfall auf Kuwait erklärt der Irak rund 10 000 Ausländer, darunter 700 Deutsche, auf seinem Territorium zu "Schutzschilden". Ex-Bundeskanzler Brandt erreicht in persönlichen Gesprächen mit dem irakischen Diktator Hussein die Freilassung von 175 Geiseln, darunter 131 Deutsche.

17. August 1996: In Kolumbien wird die Deutsche Brigitte Schoene zusammen mit ihrem kleinen Sohn von Mitgliedern der Guerillaorganisation Nationale Befreiungsarmee (ELN) entführt. Im Auftrag der Bundesregierung handeln der Geheimdienstagent Werner Mauss und seine Frau Ida die Freilassung der Geiseln gegen ein Lösegeld von drei Millionen Mark aus. Mauss trägt einen konsularischen Schutzbrief der Deutschen Botschaft in Bogota bei sich.

23. Januar 1997: Eineinhalb Jahre nach der Entführung des Deutschen Dirk Hasert durch Moslem-Separatisten im indischen Teil Kaschmirs trifft Außenminister Kinkel (FDP) mit dem Provinz-Regierungschef von Jammu und Kaschmir in Neu Delhi zusammen. Danach hieß es nur, Deutschland und Indien hätte neue Schritte vereinbart, um Gewissheit über das Schicksal des Erfurter Studenten zu bekommen. Der 26-Jährige gilt als verschollen oder tot.

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