Politik : Geiseldrama auf Jolo: Wie sich Reporter verhalten sollen

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Der Satz klingt simpel. "Das Risiko abwägen." Winfried Scharlau weiß, dass das gar nicht so einfach ist. Aber er ist überzeugt davon, dass ein Journalist, der auf einer Recherche in einem gefährlichen Umfeld ist, abwägen muss, ob der Nutzen einer Nachricht, einer Geschichte, tatsächlich das Risiko Wert ist, dass man eingeht. Winfried Scharlau weiß, wovon er spricht, er selbst war lange Jahre Korrespondent der ARD in Südostasien und hat 1975 vom Abzug der letzten Amerikaner aus Vietnam berichtet.

Scharlau beschreibt den "Spiegel-Korrespondenten Lorenz als einen sehr besonnenen Kollegen. Der 66-Jährige kann sich auch nicht vorstellen, dass die Heimatredaktion Lorenz zu etwas gedrängt habe, was dieser nicht wollte. "Das ist nicht der Stil des Spiegels. Und es ist auch nicht der Stil von seriösen Redaktionen." Die ARD-Intendanz habe 1975 für Vietnam beispielsweise die Order ausgegeben, er solle aus Sicherheitsgründen nach Deutschland zurückkehren. "Ich habe dann gemeinsam mit dem Team beschlossen, zu bleiben, auch weil andere Kollegen geblieben sind. Das war eine sehr nüchterne Abwägung, die die Redaktion zu Hause auch akzeptiert hat."

Probleme gebe es aber bei den Boulevard-Medien, weil sie meistens freie Journalisten anheuern. Scharlau: "In Kambodscha habe ich Fotografen gesehen, die morgens angetörnt auf das Motorrad gestiegen sind, um abends ein Bild an die AP zu verkaufen." Diese Journalisten seien davon getrieben, "eine außergewöhnliche Geschichte bieten zu müssen".

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