Geiseldrama in Afghanistan : Taliban wollen Frauen austauschen

Es ist ein kalkuliertes Angebot: Die Taliban möchten entführte Südkoreanerinnen gegen inhaftierte Taliban-Frauen austauschen. Doch Zugeständnisse wird es nicht geben. Afghanistans Präsident Karsai kündigt stattdessen ein Treffen mit 700 Stammesführern an.

Sükoeranerinnen
Demonstranten in Seoul zeigen Fotos der in Afghanistan entführten Koreanerinnen. -Foto: AFP

SeoulIm Fall der 21 entführten Südkoreaner haben die Taliban erstmals ihre Forderungen geändert: Weibliche Geiseln könnten im Austausch gegen inhaftierte afghanische Frauen freigelassen werden, die auf US-Basen gefangen gehalten würden. Für jede Afghanin würde eine Südkoreanerin freikommen, sagte Taliban-Sprecher Jussuf Ahmadi. Unklar ist allerdings, ob überhaupt Frauen mit Verbindungen zu den Taliban inhaftiert sind.

Ahmadi selbst räumte denn auch ein, dass die Taliban nicht wüssten wie viele Frauen auf den US-Stützpunkten in Kandahar oder Bagram  inhaftiert seien. Ein afghanischer Regierungsvertreter sagte, es gebe "nicht eine einzige Gefangene mit Verbindungen zu den Taliban in unseren Gefängnissen". Und eine Sprecherin der NATO-geführten Internationalen Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) sagte, sie wisse nicht, ob Frauen auf den Basen inhaftiert seien.

Koalitionstruppen inhaftieren Frauen nur zusammen mit ihren Männern

Sie verwies zudem darauf, dass die ausländischen Truppen mit Rücksicht auf islamische Traditionen Frauen nur in Begleitung von Familienmitgliedern inhaftieren dürften. Bislang hatten die Taliban die Entlassung von Kämpfern auf ihren Reihen im Austausch gegen die Geiseln gefordert. Zwei Geiseln haben sie bereits getötet.

Die Taliban hatten die südkoreanischen Christen, unter ihnen 16 Frauen, am 19. Juli in der südlichen Provinz Ghasni entführt. Ein Sprecher des Kabuler Innenministeriums betonte, die Regierung setze ihre Bemühungen um die Freilassung weiterhin auf mehreren Ebenen fort. Insbesondere setze sie dabei auf die Vermittlung durch Religions- und Stammesführer.

Die Familien der entführten Südkoreaner zeigten sich unterdessen enttäuscht über das Treffen des afghanischen Staatschefs Hamid Karsai mit US-Präsident George W. Bush. Diese hatten zuvor Zugeständnisse an die Entführer ausgeschlossen. "Wir konnten wegen unserer Erwartungen nicht schlafen, da die Freilassung und sichere Rückkehr unserer Familien vom Gipfel der zwei Führer abhing", zitierte der Sprecher der Angehörigen eine gemeinsame Erklärung. Bush und Karsai hätten bei ihrem Treffen "keine ausreichenden Anstrengungen unternommen, aktiv wertvolles Leben zu retten", klagten die Angehörigen.

Karsai und Musharraf wollen sich mit 700 Stammesführern treffen

Bush hatte bei dem Treffen mit Karsai die Entschlossenheit der Regierungen in Washington und Kabul betont, in der Geiselkrise keine Zugeständnisse zu machen. Diese dürften nicht noch zu weiteren Entführungen ermutigt werden. Karsai kündigte für Donnerstag ein Treffen von 700 afghanischen und pakistanischen Stammesführern in Kabul an, bei dem über den Kampf gegen die Taliban beraten werden soll. Das dreitägige Treffen soll von Karsai und seinem pakistanischen Kollegen Pervez Musharraf eröffnet werden.

Die Armee in Pakistan griff unterdessen einen Stützpunkt islamistischer Kämpfer im Stammesgebiet an der Grenze zu Afghanistan an. Der Einsatz der Soldaten mit Unterstützung von Kampfhubschraubern und Artillerie in der Provinz Nord-Waziristan habe sich gegen Kämpfer gerichtet, die den Taliban nahe stünden, sagte Pakistans Armeechef Waheed Arshad. Angaben zu Opfern machte er nicht. Aus Krankenhauskreisen hieß es aber, drei Menschen seien verletzt worden. (mit AFP)

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