Politik : Geiseldrama: Moslemrebellen drohen mit Terroranschlägen

Die Moslemorganisation Abu Sayyaf hat für den Fall eines militärischen Eingreifens der Regierung mit Terroranschlägen gedroht. Die Regierung solle sich gut überlegen, ob sie die verbliebenen 19 Geiseln mit Gewalt befreien wolle, erklärte Rebellensprecher Abu Sabaya am Donnerstag. In dem Fall werde er den Kampf in die Städte tragen. Die Behörden hatten nach der neuesten Entführung von drei Malaysiern von einer malaysischen Ferieninsel eine militärische Lösung der Krise nicht ausgeschlossen. Libyen sagte unterdessen zu, sich weiter um die Freilassung der Geiseln zu bemühen.

Sabaya erklärte, er habe Kämpfer in den südlichen Städten Zamboanga, Davao und General Santos postiert, die für Unruhe sorgen könnten. Er erinnerte die Behörden an den Überfall der Abu Sayyaf auf die Stadt Ipil vor fünf Jahren. Damals hatten etwa 200 Mitglieder der Gruppe in der Stadt südlich von Zamboanga randaliert, Gebäude in Brand gesteckt und 53 Menschen getötet.

Nach Einschätzung eines philippinischen Geheimdienstbeamten könnte der tiefe Riss unter den Rebellengruppen die Bemühungen zur Freilassung der Geiseln vereiteln. Unzufriedene Kommandeure der Abu-Say-yaf planen nach seinen Angaben, Unterhändler der Regierung zu entführen oder zu töten, die mit der Gruppe der Geiselnehmer auf Jolo Verhandlungen aufnehmen wollen.

Der nationale Sicherheitsberater Alexander Aguirre sagte, die Regierung erwäge eine Nachrichtensperre zur weiteren Vorgehensweise im Geiseldrama. Die Regierung solle allgemeine Informationen zur Lage auf der Insel Jolo freigeben, Einzelheiten jedoch geheim halten, um Operationen nicht zu gefährden. Die Entführer hatten zunächst zugesagt, während der Verhandlungen mit den Unterhändlern der Regierung keine weiteren Geiseln zu nehmen, dann aber doch die drei Malaysier gefangen genommen. Regierung und Behörden zeigten sich darüber verärgert. Während eines Kabinettstreffens am Mittwoch unter Vorsitz von Präsident Joseph Estrada beschloss die Regierung, vorläufig keine härteren Maßnahmen gegen die Abu Sayyaf zu ergreifen.

Die Abu Sayyaf hält noch einen Philippiner, zwei französische Journalisten, einen Amerikaner und zwölf philippinische Prediger fest. Die Gespräche mit den Entführern waren abgebrochen worden, nachdem es unter den Splittergruppen der Abu Sayyaf zu Streitigkeiten über die Verteilung des Lösegelds gekommen war. Die Geiselnehmer erhielten insgesamt 15 Millionen Dollar.

Bundesaußenminister Joschka Fischer erklärte am Rande der UN-Vollversammlung am Mittwoch, Libyen habe eine weitere Vermittlung zugesagt. Fischer hatte sich in der Nacht zum Mittwoch persönlich in Tripolis für die Vermittlung Libyens bei der Freilassung der Familie Wallert aus Göttingen bedankt. Er erklärte, der libysche Vermittler Radschab Assaruk, der sich vor Ort erfolgreich in die Verhandlungen eingeschaltet hatte, sei bereits wieder in Richtung Philippinen aufgebrochen.

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