Geiselkrise : Bangen um Geiseln in Afghanistan

Das Bangen um die 21 südkoreanischen Geiseln in der Hand radikal-islamistischen Rebellen und die Sorge um den deutschen Bauingenieur geht weiter. Ein Treffen zwischen südkoreanischen Unterhändlern und den Taliban macht den Angehörigen Hoffnung - sollte die Situation eskalieren, gilt auch Rudolf B. als "höchst gefährdet".

Diana Maier

Kabul Im Nervenkrieg um die 21 südkoreanischen Geiseln in Afghanistan wollen die Entführer die Unterhändler Südkoreas nur auf Taliban-Gebiet treffen. Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi schloss Orte wie die Lager von Aufbauteams oder Bezirkszentren in der südostafghanischen Provinz Ghasni für eine Zusammenkunft aus. "Das Treffen sollte in einer Region stattfinden, die unter Kontrolle der Taliban ist", sagte Ahmadi.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap hatte zuvor unter Berufung auf Informanten berichtet, die Unterhändler stünden in direktem Kontakt mit den Taliban, um einen möglichen Treffpunkt für direkte Gespräche auszuhandeln. Auch mit Botschafter Kang Sung-Zu habe es direkte Kontakte gegeben. Die südkoreanische Delegation versicherte, die USA informiert zu haben, sagte Ahmadi weiter. Die afghanische Regierung bestätigte diese Angaben nicht.

Zugeständnis an die Entführer

Seoul will sich durch direkte Verhandlungen mit den Taliban offenbar aus der Abhängigkeit von der afghanischen Regierung lösen, deren Delegation bislang keinen Durchbruch erzielt hat. Die 23 Südkoreaner wurden bereits am 19. Juli verschleppt. Zwei der Geiseln wurden später von den Entführern erschossen.

Von Seiten Seouls hatte es ein Zugeständis gegeben: Südkorea sagte zu, seine Truppen früher als ursprünglich geplant aus Afghanistan abzuziehen. Die Entführer aus den Reihen der radikalislamischen Taliban fordern zudem einen Gefangenentausch: Im Gegenzug zur Freilassung von Gesinnungsgenossen aus afghanischer Haft wollen sie südkoreanische Geiseln freilassen.

USA fliegt Luftangriff - 150 Tote

Bereits am gestrigen Abend wurden bei einem Luftangriff durch die US-geführten Koalitionstruppen in Südafghanistan nach unbestätigten Berichten im Bezirk Baghran 150 Taliban und eine unbekannte Anzahl von Unbeteiligten getötet. Wie der Polizeichef der Provinz Helmand, Hussain Andewal, berichtete, seien 20 verletzte Zivilisten nach dem Bombardement ins Krankenhaus der Provinzhauptstadt Laschkarga gebracht worden.

Die Koalitionstruppen hatten am Donnerstagabend mitgeteilt, bei einem "Präzisionsangriff" seien lediglich zwei Anführer von Taliban-Kämpfern getötet worden. Der Luftangriff sollte einem Treffen von Taliban-Befehlshabern in Baghran gelten. Die Koalition habe zuvor sichergestellt, dass keine Zivilisten in der Gegend gewesen seien. Polizeichef Andewal sagte dagegen, die Taliban hätten Zivilisten gezwungen, sich in Baghran an einem Schrein zu versammeln, wo die islamischen Extremisten zwei angebliche Spione hätten hängen wollen. Dabei sei es zum Luftangriff gekommen. Unter den Verletzten im Krankenhaus in Laschkarga seien auch Kinder. Der Distrikt Baghran gilt als Taliban-Gebiet, wo die Regierung keinen Einfluss hat. Angaben zu den Opfern ließen sich nicht überprüfen.

Militärischer Druck als Mittel zum Zweck

Der US-Staatssekretär für Süd- und Zentralasien, Richard Boucher, nannte laut einem Protokoll des US-Außenministeriums militärischen Druck als eines der "zahlreichen Mittel", die im Fall der südkoreanischen Geiseln verfügbar seien. Seoul hatte sich wiederholt gegen eine gewaltsame Befreiung ausgesprochen und die USA sowie die pakistanische Opposition um Hilfe zur Lösung des Geiseldramas gebeten.

 Unterdessen forderten vor der US-Botschaft in Seoul rund zwei Dutzend protestantische Geistliche ein stärkeres US-Engagement für die Geiseln. "Die USA, die Zivilisten im Namen eines Kriegs gegen den Terror niedermetzelten, müssen Verantwortung für die derzeitige Lage übernehmen", hieß es in einer von 96 Geistlichen unterzeichneten Erklärung.

Engagement für die Gefangenen

Um die Freilassung der südkoreanischen Geiseln zu beschleunigen, hatten Abgeordnete in Seoul die pakistanische Opposition um Unterstützung gebeten. Der Gesandte des südkoreanischen Präsidenten, Baek Jong Chun, bat um diplomatische Unterstützung, so Maulana Fazal-ur Rehman von der Islamistischen Allianz. Der den Taliban nahestehende Geistliche Rehman sagte, er sende zum wiederholten Mal einen Aufruf an die Entführer, die Geiseln freizulassen. Die Südkoreaner seien auf "medizinischer Mission" in Afghanistan gewesen, "nicht, um zu kämpfen".

In Indonesien rief eine der größten muslimischen Bewegungen zur sofortigen Freilassung der Südkoreaner auf. Die Verschleppung verstoße gegen alle "islamischen Grundsätze und Lehren und untergräbt weltweit das Image des Islam und der Muslime", erklärte der Vorsitzende der Muhammadiyah, Din Syamsuddin, in Jakarta. Sie widerspreche zudem "allen Prinzipien der Menschlichkeit" und sei "durch nichts zu rechtfertigen", hieß es in der auf Donnerstag datierten Erklärung weiter. Die indonesische Bewegung hat rund 30 Millionen Mitglieder. In der Erklärung brachte ihr Vorsitzender zudem sein Mitgefühl für die Familien der Geiseln zum Ausdruck.

Hoffnung für deutsche Geisel

Im Fall der deutschen Geisel Rudolf B. geht der ZDF-Terrorismusexperte Elmar Theveßen von einer baldigen Freilassung aus. Bereits am Donnerstag seien die Verhandlungsführer "sehr optimistisch gewesen", dass der Ingenieur noch am selben Tag freikommen könnte, sagte Theveßen dem Deutschlandfunk. "Das ist gestern nun nicht erfolgt, aber es zeichnet sich ab, dass es heute erfolgen könnte." Das Auswärtige Amt äußerte sich zurückhaltend. Solche Meldungen könne das Ministerium grundsätzlich nicht kommentieren, sagte eine Sprecherin in Berlin. (mit AFP/dpa/ddp)

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