Geiselkrise in Afghanistan : Schicksal der Südkoreaner bleibt unklar

Das Ultimatum der Taliban ist abgelaufen. Doch es gibt keine Informationen über ihre 21 südkoreanischen Geiseln. Die afghanische Regierung will nun eine Verlängerung der Frist erreichen.

Kabul/BerlinDas bislang letzte Ultimatum in der Geiselkrise um die Südkoreaner in Afghanistan ist um 9:30 Uhr Ortszeit abgelaufen. Das Schicksal der noch 21 Geiseln in der Hand der radikal-islamischen Taliban ist unklar. Auch über eine mögliche Verhandlungslösung ist bisher nichts bekannt. Taliban- Sprecher Kari Jussif Ahmadi hatte mit der Ermordung weiterer Geiseln gedroht, sollte die afghanische Regierung nicht einlenken und acht Talibankämpfer aus afghanischer Haft entlassen.

Die afghanischen Behörden forderten unterdessen eine Verlängerung des Ultimatums um 48 Stunden. Die Verhandlungen liefen noch, sagte der Abgeordnete Mahmud Gailani, einer der Unterhändler der afghanischen Regierung in der südöstlichen Provinz Ghasni. "Wir erwarten die Antwort", sagte Gailani. Die radikalislamischen Taliban drohen damit, weitere ihrer jetzt noch 21 Geiseln "jeden Moment" zu töten. Zwei Männer haben sie bereits ermordet. Die Gruppe war am 19. Juli entführt worden. Zwei der insgesamt 16 Frauen unter den Geiseln sollen nach Angaben der Taliban sehr krank sein.

Nach dem Tod der zweiten Geisel hat die südkoreanische Regierung ihre Bemühungen um eine Beendigung der Geiselnahme verstärkt. Zu diesem Zweck wolle Südkorea auch versuchen, direkte Verhandlungen mit den radikalen Islamisten aufnehmen, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Auch die Gespräche mit den USA über eine Lösung sollen intensiver geführt werden. Offenbar versuchen die Südkoreaner, sich aus der Abhängigkeit von der afghanischen Regierung in dem Entführungsfall zu lösen. Die Familien der verschleppten Südkoreaner appellierten an die USA, sich für die Rückkehr der Geiseln einzusetzen. "Wir wenden uns an unseren Verbündeten USA, aktiver zu werden, um die Geiselkrise auf friedlichem und sicherem Weg zu beenden", heißt es in dem Brief der Familien, den sie der US-Botschaft in Seoul übergaben. Die Südkoreaner seien in das kriegsgeschädigte Land gereist, um Hilfe zu leisten.

Unterdessen haben mutmaßliche Taliban-Kämpfer ebenfalls in der Provinz Ghasni vier entführte afghanische Richter getötet. Ghasnis Vizepolizeichef Mohammad Zaman sagte, Sicherheitskräfte hätten die von Kugeln durchsiebten Leichen der in der vorvergangenen Woche verschleppten Männer gefunden. Wie im Falle der Südkoreaner forderten die Taliban auch bei den Richtern die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen. Die vier Afghanen waren von der Nachbarprovinz Paktika nach Ghasni gereist und entführt worden. Zaman machte für den Mord "Feinde des Friedens und der Stabilität" verantwortlich. Mit solchen oder ähnlichen Formulierungen umschreiben afghanische Behörden radikal-islamische Rebellen wie die Taliban. (mit dpa)

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