Geiselkrise in Afghanistan : Südkorea verteidigt direkte Verhandlungen mit den Taliban

Die Regierung Südkoreas hat ihre direkten Gespräche mit den Taliban verteidigt. Seoul habe um das Leben der 19 Geiseln gebangt und sich in einem absolutem Ausnahmezustand gesehen. Der Vorwurf, einen Millionenbetrag an die Entführer gezahlt zu haben, wird dementiert.

SeoulDie südkoreanische Regierung hat ihr Vorgehen im Bezug auf die Geiselkrise in Afghanistan verteidigt. Angesichts von 19 Menschenleben auf der Waagschale habe Seoul keine andere Wahl gehabt als mit den Taliban zu verhandeln, sagte Außenminister Song Min Soon. Er sei sich sicher, dass andere Länder das Dilemma verstehen würden, in dem sich Südkorea befunden habe. Die 19 von den Taliban freigelassenen Geiseln wurden nach einem Zwischenstopp in Dubai am frühen Sonntagmorgen in Seoul erwartet.

Das Schicksal des Mitte Juli von den Taliban entführten 62-jährigen Deutschen Rudolf B. war weiterhin ungewiss. Der südkoreanische Außenminister Song sagte weiter, die Regierung habe die ganze Zeit über versucht, "eine Balance zu halten zwischen internationalen Normen und Gewohnheiten bei solchen Fällen sowie der absoluten Priorität, dass wir das Leben dieser Menschen retten wollten". Seoul war international kritisiert worden, weil es sich auf direkte Verhandlungen mit den Entführern eingelassen hatte. Dadurch habe sie diese zu weiteren Geiselnahmen ermuntert, sagte etwa der kanadische Außenminister Maxime Bernier.

Direkte Gespräche sollen Verhandlungen erleichtert haben

Außerdem soll Seoul einem japanischen Zeitungsbericht zufolge ein Lösegeld in Höhe von zwei Millionen Dollar (rund 1,5 Millionen Euro) gezahlt haben. Dies wurde von der Regierung aber dementiert. Auch Song antwortete auf die Frage nach einer möglichen Lösegeldzahlung: "Nichts dergleichen hat es gegeben." Der Chef des südkoreanischen Geheimdiensts, Kim Man Book, der die nach sechs Wochen Geiselhaft freigekommenen christlichen Aufbauhelfer auf ihrer Rückkehr von Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Seoul begleitete, sagte, er habe die Verhandlungen in Afghanistan persönlich beaufsichtigt. Die direkte Anwesenheit habe es ermöglicht, zügige Entscheidungen zu treffen, von den schlechten Telekommunikationsbedingungen in Afghanistan unabhängig zu sein und eine mögliche Abhöraktion durch dritte zu vermeiden, sagte Kim.

Südkoreas Präsident Roh Moo Hyun würdigte den Beitrag Indonesiens bei der Freilassung der am 19. Juli verschleppten Landsleute. Ein Präsidentensprecher sagte, Roh habe dem indonesischen Staatschef Susilo Bambang Yudhoyono in einem Telefonat für die "wichtige Rolle" seines Landes bei der Beilegung der Geiselkrise gedankt. Die indonesische Botschaft in Kabul hatte einen hochrangigen Diplomaten zu den Verhandlungen mit den Taliban entsandt.

Südkoreaner bald wieder in ihrer Heimat

Die Südkoreaner waren am Freitag mit einem von der UNO gecharterten Flugzeug in Dubai eingetroffen, wo sie die Nacht in einem Luxushotel verbrachten. Das Hotel verließen sie nach dem Frühstück an Bord eines Busses in Richtung des internationalen Flughafens. Die Ankunft in Seoul war für Sonntag gegen 06.45 Uhr Ortszeit vorgesehen. In den vergangenen Tagen hatten die Taliban nach und nach alle noch in ihrer Gewalt verbliebenen Geiseln aus Südkorea freigelassen. Zwei kranke Frauen waren schon früher freigekommen, zwei Männer der Gruppe hatten die Extremisten dagegen im Juli getötet. (mit AFP)

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