Geiselkrise : Kommt deutsche Geisel heute frei?

Bewegung im Fall des entführten Bauingenieurs: Nach Einschätzung eines Terrorismusexperten könnte die Freilassung der deutschen Geisel noch heute erfolgen. Bei einer gewaltsamen Befreiung der südkoreanischen Geiseln in Afghanistan sei auch der 62-Jährige "höchst gefährdet".

Köln/BerlinIn den Fall des in Afghanistan entführten deutschen Bauingenieurs Rudolf B. kommt offenbar Bewegung. Nach den Worten des ZDF-Terrorismusexperten Elmar Thevessen zeichnet sich ab, dass die Freilassung des 62-Jährigen noch heute "erfolgen könnte". Die Hoffnung sei derzeit "sehr groß, dass man Rudolf B. heute freibekommt", sagte Thevessen am Morgen im Deutschlandfunk. Offenbar sei eine "Bereitschaft auf der anderen Seite" vorhanden, den Fall "möglicherweise mit Hilfe von Geld" oder der Erfüllung anderer Forderungen zu lösen, betonte Thevessen. Seiner Einschätzung nach liege auch den Unterhändlern auf deutscher Seite daran, dies schnell zu tun, "denn man hat die große Sorge, dass durch eine mögliche Militäraktion zur Befreiung der südkoreanischen Geiseln gerade auch in dieser Region das Schicksal des Deutschen höchst gefährdet ist in den nächsten Tagen".

Der SPD-Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose sagte dem Sender, er gehe davon aus, dass der Krisenstab des Auswärtigen Amtes die Situation genau analysiert habe und seine Routine einsetze, "um ein gutes Ergebnis zu erzielen". Ob dies aber gelinge, wisse man nicht, fügte der Vize-Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses hinzu. "Man kann nur hoffen, dass man den geeigneten Schlüssel findet, um die Freilassung dieser weiteren Geisel zu erwirken."

Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr stößt auf Kritik

Rudolf B. war am 18. Juli gemeinsam mit seinem Kollegen Rüdiger D. in Afghanistan entführt worden. Die Mitarbeiter eines in Kabul ansässigen Unternehmens wurden in der afghanischen Provinz Wardak, 100 Kilometer südwestlich der Hauptstadt, verschleppt. Rüdiger D. wurde während der Geiselhaft erschossen, wie die Obduktion des Leichnams im Kölner Institut für Rechtsmedizin ergab. Nach dem am Donnerstag bekannt gegebenen Obduktionsergebnis hatte der Mann zunächst einen Kreislaufkollaps erlitten und wurde dann durch zwei Schüsse getötet.

Nach Einschätzung Kloses haben die Entführungsfälle auch einen Einfluss auf die Debatte um eine Verlängerung der Mandate für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. In der Bevölkerung stoße dieser Einsatz zunehmend auf Kritik, und Abgeordnete reagierten auf das Stimmungsbild in ihren Wahlkreisen. Dies dürfe aber nicht entscheidend sein, mahnte der SPD-Politiker. Schließlich sei die Bundeswehr in Afghanistan, um zu verhindern, dass das Land "wiederum zu einem logistischen Zentrum des internationalen Terrorismus wird". Man müsse eher darüber nachdenken, die Anstrengungen hierfür zu verstärken statt zu vermindern.

"Militärisches Engagement noch nötig"

Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil bekräftigte das deutsche Engagement in Afghanistan. Es gelte, "hart daran zu arbeiten, die Erfolge der letzten Jahre in diesem Land nicht zu gefährden. Wir müssen Stück für Stück Mithilfe leisten, dass die afghanische Regierung selbst Sicherheit und Stabilität gewährleisten kann". Solange sei das militärische Engagement noch nötig. Ähnlich äußerte sich der Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU). "Die Regierung ist nicht erpressbar", betonte er und fügte hinzu: "Wenn die Geiselnehmer Erfolg hätten, würde sie dies noch zu weiteren Gewalttaten ermutigen." (mit ddp)

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