Politik : Geiseln auf den Philippinen: Todesdrohung - US-Bürger soll enthauptet werden

Zamboanga (rtr). Der Chef eines besonders skrupellosen Ablegers der Abu-Sayyaf-Rebellen auf Jolo hat am Mittwoch mit der Ermordung seiner amerikanischen Geisel gedroht. Nachdem die US-Regierung Zugeständnisse an die Entführer abgelehnt hatte, sagte ein Sprecher der moslemischen Rebellen dem Rundfunksender dxRZ, der US-Bürger werde möglicherweise enthauptet. Die philippinische Regierung sagte den USA zu, sich für die Freilassung Jeffrey Schillings einzusetzen. Der 24-Jährige ist seit Montag in der Gewalt der Rebellen um den gefürchteten Radulan Sajiron, den "Einarmigen".

Die US-Regierung forderte die bedingungslose Freilassung Schillings. Zugleich schloss ein Sprecher jeden Handel mit der Rebellengruppe Abu Sayyaf aus. Die US-Regierung verhandele generell nicht mit Terroristen, und die Abu Sayyaf sei eine terroristische Gruppierung. Ein philippinischer Sprecher sagte, selbstverständlich werde die Regierung für die Freilassung Schillings verhandeln. Der aus Oakland in Kalifornien stammende Mann lebt seit März auf den Philippinen und ist zum Islam übergetreten. Nach Angaben seiner philippinischen Frau war das Paar freiwillig aus Zamboanga auf die Insel Jolo gereist. Ihr Mann sei dann von den Rebellen festgehalten worden.

Der Rebellensprecher sagte, seine Gruppe sei zu Verhandlungen bereit und hoffe auf ein gutes Ergebnis. Allerdings dürfe Präsident Joseph Estrada die Gruppe nicht einschüchtern. Zuvor hatte ein anderer Rebellensprecher für Ende der Woche genaue Forderungen angekündigt. Auf jeden Fall wollten die Rebellen aber die Freilassung von drei in den USA inhaftierten islamischen Fundamentalisten erreichen. Diese sitzen wegen des Bombenanschlags auf das World Trade Center in New York 1993 im Gefängnis.

Die Todesdrohung gegen Schillings ist sehr ernst zu nehmen: Im April köpften die Rebellen des "Einarmigen" zwei philippinische Geiseln auf der Insel Basilan - und nannten dies ein "Geburtstagsgeschenk" für Präsident Estrada. Als sich die Armee ihrem Lager näherte, töteten sie im Mai vier weitere Gefangene.

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