Politik : Geiseln gegen Getreide

Was Japans Premier in Pjöngjang aushandelte

-

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il hat nach einem Gipfeltreffen mit Japans Premier Junichiro Koizumi am Samstag in Pjöngjang der Ausreise von Familienangehörigen japanischer Geiseln zugestimmt. Fünf Kinder japanischer Geiseln, die zum Teil mehrere Jahrzehnte in Nordkorea festgehalten wurden, sind noch am Samstag in einem separaten Flugzeug nach Tokio geflogen. Japan sicherte Nordkorea im Gegenzug die Lieferung von Hilfsgütern zu. Kim habe außerdem ein Festhalten an dem Moratorium für Raketentests zugesichert und sich für eine nuklearwaffenfreie koreanische Halbinsel ausgesprochen, sagte Koizumi am Samstag.

Koizumi traf in Pjöngjang auch mit dem früheren USDeserteur Charles Robert Jenkins zusammen, der seit knapp vier Jahrzehnten in Nordkorea lebt und mit der ehemaligen japanischen Geisel Hitomi Soga verheiratet ist. Aus Angst vor einer Auslieferung in die USA hätten beide die Rückkehr nach Japan jedoch abgelehnt, erklärte Koizumi.

Mit der Rückführung der Angehörigen japanischer Geiseln gelang Koizumi ein Durchbruch in dem schwierigen Verhältnis zwischen Japan und Nordkorea. Bei einem früheren Besuchs Koizumis im Jahr 2002 hatte Pjöngjang erstmals eingestanden, in den siebziger und achtziger Jahren 13 japanische Bürger für die Sprachausbildung von Spionen nach Nordkorea entführt zu haben. Das Schicksal der Geiseln löste in Japan eine Welle der Empörung aus. Acht der Geiseln sind nach Angaben Pjöngjangs in Nordkorea gestorben. Die überlebenden fünf Japaner durften im Oktober 2002 zurück nach Japan reisen, mussten allerdings ihre Familien zurück in Nordkorea lassen. Nach Angaben Koizumis habe Kim zugesagt, auch das Schicksal von weiteren möglicherweise nach Nordkorea entführten Japanern aufzuklären.

Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA nannte den Gipfel „ein historisches Ereignis“ zur Verbesserung der Beziehungen beider Länder. Im Gegenzug für die Ausreise der Angehörigen kündigte Japan an, Nordkorea 250 000 Tonnen Getreide sowie Medizin im Wert von zehn Millionen Dollar zu schicken. „Wir müssen unsere anormalen Beziehungen normalisieren“, sagte Koizumi nach dem neunzigminütigen Gespräch mit Kim.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben