Politik : Geiselnahme auf Jolo: "Spiegel" schließt Lösegeld nicht aus

Der auf der Philippinen-Insel Jolo entführte "Spiegel"-Korrespondent Andreas Lorenz befindet sich nach Informationen des Auswärtigen Amtes in der Gewalt von Abu Sayyaf-Rebellen. Allerdings handele es sich wohl um einen anderen Clan als bei den Entführern der ebenfalls auf Jolo festgehaltenen deutschen Familie Wallert, sagte ein Sprecher des Amtes am Dienstag. Es gebe noch keinen Kontakt zu den Entführern. Der "Spiegel" schloss nicht aus, Lösegeld für Lorenz zu zahlen. Auf der Jolo benachbarten Insel Mindanao trafen zwei Journalisten des Magazins ein, die auch als Kontaktpersonen für die Entführer dienen sollen. Die Philippinen warfen Lorenz Leichtsinn vor. Das Auswärtige Amt versuche sowohl über die Regierung in Manila als auch über zahlreiche andere Kanäle Informationen über das Schicksal von Lorenz zu bekommen, sagte der Sprecher.

Offenbar werde der Korrespondent in einem anderen Teil der Insel festgehalten als die 20 Geiseln, über deren Schicksal Lorenz berichten wollte. Alle Informationen über das Schicksal von Lorenz stammten zwar aus glaubwürdigen Quellen, seien aber noch nicht eindeutig bestätigt, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes. Lorenz war am Sonntag nahe der Stadt Jolo offenbar in eine Falle gelockt und verschleppt worden. Bereits im vergangenen Monat war er gemeinsam mit anderen deutschen Journalisten zehn Stunden lang von Rebellen festgehalten worden und erst gegen Zahlung von umgerechnet 50 000 Mark Lösegeld freigekommen. Auswärtiges Amt und "Spiegel" mahnten ein zurückhaltendes Vorgehen der philippinischen Behörden an.

Die Familie Wallert hat mit den anderen Geiseln offenbar eine weitere Hilfslieferung der Bundesregierung erhalten. Werner Wallert habe in einem Brief den Empfang von Lebensmitteln, Schokolade, Zeitschriften und E-Mails aus Deutschland bestätigt, teilte das Auswärtige Amt mit. Der Brief sei auf Deutsch verfasst und deshalb wohl nicht zensiert worden.

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