Geiselnahme im Sudan : Sechs Entführer der europäischen Reisegruppe getötet

Das Geiseldrama um eine europäische Reisegruppe hat eine überraschende Wendung genommen: Sudanesische Soldaten töteten am Sonntag sechs der Entführer und nahmen zwei von ihnen fest. Die 19 Geiseln sollen sich in einem bislang unbekannten Versteck der Entführer befinden.

KhartumNach Angaben des sudanesischen Präsidentenberaters Mahdschub Fadl Badri befindet sich unter den Getöteten auch der Chef einer Rebellengruppe aus der  westsudanesischen Region Darfur. Die 19 Geiseln - elf europäische Touristen und acht ägyptische Begleiter - befänden sich nach Rebellenangaben in einem "Versteck" im Tschad. Unter den Geiseln sind auch fünf Deutsche.
  
Die sudanesische Armee habe die Spuren der Geiselnehmer verfolgt und sie an der Grenze zum Tschad gefunden, sagte Badri. Sie hätten sechs Entführer getötet und zwei weitere festgenommen. "Die Kidnapper haben gesagt, dass die Geiseln noch im Tschad seien, sie haben sie in ein Versteck gebracht, während sie ihre Verhandlungen fortsetzten, aber wir haben keine Angaben über eine Intervention der tschadischen Armee", sagte der Präsidentenberater weiter.
  
Das Auswärtige Amt konnte die Angaben aus Khartum zunächst nicht bestätigen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte am Sonntag in Berlin, der Krisenstab arbeite unvermindert und mit hoher Intensität an der Lösung des Falles.
  
Zu den Geiseln zählen elf Touristen, darunter fünf aus Deutschland, und acht Ägypter

Der entführten Gruppe gehören neben den fünf Deutschen auch fünf Italiener und eine Rumänin an. Bei den acht ägyptischen Begleitern handelt es sich um zwei Reiseleiter, vier Fahrer, einen Grenzbeamten und den Chef des Reiseveranstalters. Die Gruppe war am 19. September in einem südlichen Wüstengebiet Ägyptens angegriffen und in den Sudan verschleppt worden. Die libysche Regierung bestritt sudanesische Angaben, wonach die Gruppe anschließend auch nach Libyen gebracht wurde. Am Sonntagmorgen teilte die sudanesische Regierung mit, dass die Entführer die Reisegruppe zurück in den Sudan in die Nähe der ägyptischen Grenze gebracht hätten.
  
Nach Angaben aus ägyptischen Sicherheitskreisen verlangten die Geiselnehmer eine Zahlung von sechs Millionen Euro Lösegeld von Deutschland. Über die Staatsangehörigkeit der Entführer gab es unterschiedliche Angaben. Verschiedenen Quellen zufolge stammten sie aus dem Sudan, Ägypten, Libyen oder dem Tschad. Die amtliche sudanesische Nachrichtenagentur Suna hatte am Donnerstag berichtet, die Entführer stammten wahrscheinlich aus dem Umfeld von Rebellen aus Darfur. Die größten Rebellengruppen in der Region bestritten dagegen eine Beteiligung an der Entführung.
  
In der westsudanesischen Region Darfur kämpfen seit Anfang 2003 verschiedene Rebellengruppen gegen die Regierung in Khartum sowie gegen regierungstreue arabische Reitermilizen. In dem Konflikt kamen nach Angaben internationaler Organisationen rund 200.000 Menschen ums Leben. Nach jüngsten Schätzungen der Vereinten Nationen könnten sogar bis zu 300.000 meist unbeteiligte Menschen an Krieg, Hungersnöten und Krankheiten gestorben sein. (rik/AFP)

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