Politik : Geiselnahme in Istanbul

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Istanbul. Ein türkischer Tschetschenien-Kämpfer hat in einem Istanbuler Luxushotel am Samstag rund ein Dutzend ausländische Touristen vorübergehend in seine Gewalt gebracht, um gegen den Krieg in Tschetschenien zu protestieren. Ein Überfallkommando der türkischen Polizei konnte den Geiselnehmer nach eineinhalb Stunden zur Aufgabe überreden; die Touristen verließen das Hotel unverletzt. Deutsche waren vermutlich nicht darunter.

Die Polizei identifizierte den Täter als einen 30-jährigen Kebabverkäufer aus dem südtürkischen Karaman. Nach Aussagen seines Bruders kämpfte er in den vergangenen Jahren in Tschetschenien. Es war bereits der fünfte spektakuläre Terroranschlag von pro-tschetschenischen Sympathisanten in der Türkei seit dem Ausbruch des Krieges in der Kaukasusrepublik.

Wie Hoteldirektor Cem Günes berichtete, betrat der Geiselnehmer am Morgen das 21-stöckige Marmara-Hotel am Taksim-Platz im Herzen von Istanbul, erkundigte sich nach den Zimmerpreisen und ging wieder. Eine halbe Stunde später betrat er das Hotel zum zweiten Mal, zog vor der Sicherheitskontrolle plötzlich eine Kalaschnikow aus der Reisetasche und stürmte damit die Treppe hinauf zum im Zwischengeschoss gelegenen Foyer. Dort feuerte er in die Luft und rief pro-tschetschenische Slogans. Die Polizei umstellte das Hotel und schickte ein Einsatzkommando hinein.

Ersten Angaben der Polizei, wonach der Täter tschetschenischer Abstammung sein soll, widersprach der Bruder des Geiselnehmers, der die Familie als tscherkessisch-stämmig bezeichnete. Rund fünf Millionen Türken betrachten sich als Nachfahren von Einwanderern aus dem Kaukasus; zudem leben etwa 25 000 Flüchtlinge aus Tschetschenien im Land. Die tschetschenische Sache genießt deshalb die Sympathie der türkischen Öffentlichkeit. Wohl auch deshalb konnten pro-tschetschenische Gangster in der Türkei in den letzten Jahren mit relativ milden Strafen rechnen. Susanne Güsten

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