Politik : Geisldrama auf Jolo: Verzögerte Schmidbauer Wallerts Freilassung?

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt Ludger Volmer hat dem CDU-Bundestagsabgeordneten Bernd Schmidbauer am Dienstag vorgeworfen, er habe die Bemühungen um die deutschen Geiseln auf den Philippinen erschwert und dadurch deren Freilassung verzögert. Schmidbauer, der unter Kanzler Helmut Kohl Geheimdienstkoordinator war, erklärte dazu in der Zeitung "Die Welt": "Wenn Volmer meine Initiative jetzt als schädlich bezeichnet, dann lügt er."

Auch BND-Präsident Ernst Hanning erklärte dem "Stern" zufolge, "dass aus Deutschland unkoordiniert agiert wurde". Ihn hätten Beschwerden über deutsche Trittbrettfahrer aus Frankreich, Finnland und vom libyschen Unterhändler Rajab Azzaruk erreicht. Laut "Stern" hatte das Außenministerium den ehemaligen Geheimdienstkoordinator der Regierung Kohl ausdrücklich gebeten, "alles zu unterlassen, was den Eindruck erzeugen könne, dass die Bundesregierung andere, wie zum Beispiel ihn, in dieser Sache mit einem Auftrag versehen hätte". Der "Stern" berichtete weiter, dass Mauss beim BKA-Vertreter auf den Südphilippinen und beim deutschen Botschafter telefonisch um Satellitentelefone nachgesucht habe.Mauss habe sich fälschlich als Sonderberater Azzaruks ausgegeben. Der Privatdetektiv habe eine Konferenzschaltung ins Lager der Abu-Sayyaf-Rebellen organisieren wollen, habe er gegenüber dem Berliner Kanzleramt erklärt.

Mehrere der 19 Geiseln in den Händen der radikal-islamischen Abu-Sayyaf-Rebellen sind angeblich von philippinischen Soldaten lebend gesehen worden. Der Sprecher des philippinischen Präsidenten Joseph Estrada, Ricardo Puno, sagte am Dienstag, die Annahme, dass alle Geiseln noch leben und unverletzt seien, sei am Montag "teilweise" bestätigt worden. Die Geiseln würden von den Kämpfern der Gruppe Abu Sayyaf offenbar als menschliche Schutzschilde benutzt. Das Militär begann am Samstag mit Angriffen auf die Rebellen. Puno sagte, es sei sehr wahrscheinlich, dass die Abu-Sayyaf-Leute mit ihren Geiseln auf der Flucht seien. Das Militär überprüfe Berichte, dass einige Extremisten von der Insel Jolo geflohen seien. In der Hand der Abu Sayyaf sind noch 13 Philippiner, drei Malaysier, zwei Franzosen und ein Amerikaner.

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