Politik : Geistlicher plant Marsch auf Nadschaf Großajatollah al Sistani kehrt in den Irak zurück

Andrea Nüsse

Kairo - Mit der Rückkehr des einflussreichen schiitischen Geistlichen Großajatollah Ali al Sistani in den Irak könnten die Kämpfe in der Stadt Nadschaf doch noch ohne eine Erstürmung der Imam-Ali-Moschee zu Ende gehen. Am Mittwochmorgen hatte es zunächst noch so ausgesehen, als würden die amerikanischen und irakischen Sicherheitskräfte sich darauf vorbereiten, das Heiligtum einzunehmen. Doch der Aufruf al Sistanis, Schiiten sollten zur „Rettung Nadschafs“ in die Stadt marschieren, könnte das Blatt wenden. Nach einer dreiwöchigen ärztlichen Behandlung kehrte al Sistani am Mittwoch in den Irak zurück. Der Geistliche will heute nach Nadschaf reisen. Unterdessen nahm die Polizei in der Stadt am Mittwoch bei ihrer Suche nach dem radikalen Prediger Muktada al Sadr einen seiner engsten Vertrauten fest. An der Westseite der Imam-Ali-Moschee rückten US-Panzer bis auf 20 Meter an die Mauer des Heiligtums heran.

Wahrscheinlich werden tausende Schiiten al Sistanis Aufruf zum Marsch auf Nadschaf folgen. In der üblichen Zweideutigkeit schiitischer Geistlicher ließ der Sprecher des Geistlichen jedoch offen, ob die Demonstranten die umkämpfte Stadt vor den amerikanischen und irakischen Truppen oder vor den bewaffneten Anhängern des Predigers al Sadr retten sollen. Wahrscheinlich hofft al Sistani, dass die Kampfhandlungen auf beiden Seiten eingestellt werden, wenn friedliche Demonstranten die Straßen in Besitz nehmen. Damit könnte er Zeit gewinnen für eine Verhandlungslösung, die im Interesse beider Seiten wäre.

Für den radikalen Prediger al Sadr, der direkten Anweisungen Sistanis wohl Folge leisten wird, steigen damit die Chancen, sein Gesicht zu wahren. Militärisch sind seine Anhänger in Nadschaf durch die militärische Übermacht der USA so gut wie besiegt. Außerdem kritisieren viele Schiiten, dass al Sadr die Imam-Ali-Moschee als Rückzugsort benutzt.

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