Politik : Geld fließt

Nach dem Tsunami sind Rekordsummen gespendet worden – aber noch sind Hunderttausende obdachlos

Ruth Ciesinger

Noch nie ist eine Naturkatastrophe wie der Tsunami im Dezember so rasch über so viele Länder hereingebrochen, noch nie sind bei einem Unglück, das vor allem Entwicklungsländer traf, auch so viele Touristen aus dem Westen gestorben. Und noch nie sind so schnell so viel Geld und Hilfe versprochen worden. Jetzt, ein halbes Jahr nach der Flut, beginnt in den betroffenen Gebieten langsam die Phase des Wiederaufbaus. Was die finanziellen Mittel betrifft, sind die meisten Geber jedoch relativ zufrieden.

Allein in Deutschland sind bisher rund 600 Millionen Euro an privaten Spenden zusammengekommen, schätzt Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen – im März waren es 516 Millionen. Die Summe schlägt den bisherigen Spendenrekord von 350 Millionen nach der Elbeflut um Längen. Das meiste Geld floss an die großen Hilfsorganisationen: 124,6 Millionen an das Rote Kreuz, etwa 100 Millionen an das Kinderhilfswerk der UN in Deutschland, Unicef, 43 Millionen an die Diakonie Katastrophenhilfe, rund 28,5 Millionen an die Deutsche Welthungerhilfe. Die zehn Hilfswerke der „Aktion Deutschland hilft“ haben an die 125 Millionen eingenommen.

Mit Ausnahme der USA ist in kaum einem Land so viel gespendet worden wie in Deutschland. Auch die Bundesregierung hat von den 500 Millionen Euro, die sie für die kommenden drei bis fünf Jahre zugesagt hat, bereits 125 Millionen ausgegeben oder fest verplant, vor allem für Projekte in Indonesien und Sri Lanka sowie für die Entwicklung eines Tsunamifrühwarnsystems. Auf der Internetseite von Ocha, dem UN- Büro für die Koordination Humanitärer Hilfe, sind deutsche Zahlungen an UN-Hilfsprojekte mit 65 Millionen Dollar verzeichnet.

Die Tabellen und Charts, die dort die Hilfe der UN-Organisationen dokumentieren, bestätigen, was eine Ocha-Sprecherin lobt: Bisher fließen die im Januar von den Regierungen angekündigten Gelder relativ reibungslos. Sie zeigen aber auch, dass in manchen Bereichen Mittel fehlen oder mehr gebraucht werden als angenommen. Der „Flash Appeal“ der UN im Januar war von einer knappen Milliarde US-Dollar für die Soforthilfe ausgegangen. Im April war klar, es würde mindestens ein Drittel mehr sein. Dem UN-Entwicklungsprogramm UNDP fehlen beispielsweise beim Wiederaufbau kleinerer Infrastrukturprojekte in Indonesien an die 14 Millionen Dollar, hier ist offenbar noch kein Geld geflossen.

Besonders die hunderttausende Opfer der Flut, die noch in Lagern leben und ihre Häuser nicht aufbauen dürfen, lässt das manchmal verzweifeln. Sie wissen um das viele Geld, das da ist. Aber wenn es darum geht, von der Nothilfe wegzukommen und Häuser und Dörfer aufzubauen, muss langfristig geplant werden, müssen Eigentumsverhältnisse geklärt und muss mit den Behörden vor Ort zusammengearbeitet werden. Bei den Hilfsorganisationen hat man Verständnis für die Wut mancher Betroffener. Aber, sagt eine Mitarbeiterin der Welthungerhilfe: Wer einmal ein deutsches Planfeststellungsverfahren erlebt hat, der weiß, dass solche Dinge dauern.

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