Geldgeschäfte : Irischer Premier tritt zurück

Bertie Ahern stolpert über private Geldgeschäfte, die bis heute nicht aufgeklärt werden konnten.

Martin Alioth

DublinNach fast elf erfolgreichen Jahren im Amt hat der populäre irische Premierminister Bertie Ahern am Mittwoch seinen vorzeitigen Rücktritt für den 6. Mai angekündigt. Vor weniger als einem Jahr war Ahern für eine dritte Amtszeit wiedergewählt worden. Mit belegter Stimme versicherte er am Dienstagmorgen von den Stufen des Regierungsgebäudes in Dublin, er habe kein Unrecht begangen und sich nie der Korruption schuldig gemacht. Aber die Mutmaßungen um seine privaten Geldgeschäfte in den 90er Jahren überschatteten die Politik seiner Regierung in störender Weise, begründete er seinen überraschenden Schritt.

Tatsache ist aber, dass Ahern sich in den letzten anderthalb Jahren vor einem richterlichen Tribunal in derartig große Widersprüche verstrickt hatte, dass dafür kaum noch eine glaubwürdige Erklärung möglich war. Immer, wenn neue Bankakten zum Vorschein kamen, änderte sich auch die Geschichte um Gelder, die nach Berechnungen der angesehene „Irish Times“ heute insgesamt mehr als 800 000 Euro entsprächen.

Als die ehemalige Sekretärin Aherns kurz vor Ostern unter Tränen zugeben musste, dass sein angebliches Gehaltskonto mit britischen Pfund gespeist worden war, kippte die bis zu diesem Zeitpunkt noch duldsame öffentliche Meinung – und Aherns Koalitionspartner wurden zunehmend ratlos. Der Premierminister hatte seine größte Stärke eingebüßt: seinen Ruf als anständige, ehrliche Haut – und damit seine Glaubwürdigkeit.

Ursprünglich war das Tribunal der bis heute unbewiesenen Behauptung eines Grundstücksspekulanten nachgegangen, Ahern habe als Finanzminister von einem anderen Baulöwen Schmiergelder in der Höhe von damals 80 000 Pfund erhalten. Deshalb durchforstete die Justiz sämtliche Konten Aherns. Im Herbst 2006 gab dieser dann ein rührseliges Interview im irischen Fernsehen, in dem er erläuterte, Freunde hätten ihm Geld geliehen, um bei den Kosten seiner ehelichen Trennung auszuhelfen. Ahern gewann im folgenden Frühling die Wahlen.

Aber seine Version der Angelegenheit wurde immer fadenscheiniger. Niemand weiß, was tatsächlich hinter den immer umfangreicheren Geldbewegungen steckt, die nach und nach bekannt wurden – aber es herrscht allgemeiner Konsens, dass die variantenreichen Begründungen Aherns haarsträubend geworden sind. Ebenso herrscht allerdings Übereinstimmung, dass der Premierminister ein umgänglicher, bescheidener und bemerkenswert fleißiger Mensch ist.

Ahern hat überdies eine beeindruckende Erfolgsbilanz vorzuweisen: Seine Zähigkeit und sein Verhandlungsgeschick trugen maßgeblich zum erfolgreichen Friedensprozess in Nordirland bei, er verwandelte die irische Wirtschaft zum bewunderten Vorzeigemodell und erzielte einen Konsens über die Europäische Verfassung. Das für Juni geplante irische Referendum über deren Nachfolger, den Reformvertrag von Lissabon, wird nun nicht mehr von Aherns Autoritätszerfall belastet. Es hatte sich bereits abgezeichnet, dass die Gegner der Vorlage Zulauf von Wählern erhielten, die Ahern einen Denkzettel verpassen wollten. Nun wird sein Nachfolger, höchstwahrscheinlich Finanzminister Brian Cowen, ohne diese Hypothek ins Referendum ziehen können.

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