Geldsorgen in Minsk : Iran leiht Weißrussland Millionen

Staatschef Lukaschenko sucht gute Beziehungen ins Ausland

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Die Regierung in Weißrussland wird sich dringend benötigte Kredite offenbar vom Iran besorgen. Nach einem Milliardenkredit aus China im September will sich das angeschlagene Weißrussland nun umgerechnet rund 294 Millionen Euro leihen. Die iranische Regierung in Teheran habe den Kredit „im Prinzip“ zugesagt, erklärte die Chefin der weißrussischen Nationalbank, Nadeschda Jermakowa, in Minsk. Außerdem will die Ex-Sowjetrepublik den Internationalen Währungsfonds um weitere sieben Milliarden Dollar bitten. Derzeit gibt der IWF kein Geld an das autoritär regierte Land.

Das hochindustrialisierte, aber rohstoffarme Weißrussland ist auf Kredite angewiesen, der heimische Rubel verliert seit Monaten massiv an Wert. Viele potenzielle Geldgeber – unter ihnen russische Oligarchen – verlangten für Kredite künftig Privatanteile an lukrativen Staatsbetrieben. Dies stieß in Weißrussland nicht nur unter Anhängern des autoritären Staatschefs Alexander Lukaschenko auf massive Kritik. Viele befürchteten einen Ausverkauf der heimischen Industrie. Dem Tagesspiegel sagte der Chef des Präsidialamtes, Vladimir Makei, kürzlich, dass die Hälfte des Außenhandels trotz des Streits mit dem Westen über Länder der Europäischen Union laufe: „Außerdem bauen wir aber unsere guten Beziehungen zu asiatischen Ländern aus.“ Dazu zählten vor allem China, der Iran und Vietnam. Mit chinesischen Unternehmen setze man Bauprojekte für umgerechnet zwölf Milliarden Euro um. Gerade in Minsk entstehen trotz der Krise zahlreiche Neubauten. In drei Jahren soll in Weißrussland die Eishockey-Weltmeisterschaft stattfinden.

Die weißrussische Regierung denkt nun offenbar über neue politische Signale nach. So hatte Makei gesagt, man prüfe, ob verurteilte Oppositionelle begnadigt werden könnten. Am Sonnabend war der frühere Bewerber auf die Präsidentschaft, Dmitri Uss, nach einem halben Jahr aus dem Gefängnis entlassen worden. Er hatte im Dezember 2010 gegen Lukaschenko kandidiert und war nach der umstrittenen Wahl wegen „Ausschreitungen“ zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Vor wenigen Tagen hatten die Grünen kritisiert, dass die Deutsche Bank weißrussische Staatsanleihen auf europäischen Märkten platziert und so das Regime von Lukaschenko unterstützt habe.mit dpa

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