Politik : Gemeinsam gegen Nazi-Kollaborateure?

Den Haag fordert von Berlin Inhaftierung Verurteilter

Klaus Bachmann[Brüssel]

Niederländer, die während des Krieges in den Dienst der Nazis traten, hatten oft Glück: Sie erhielten die deutsche Staatsangehörigkeit, konnten nach dem Krieg fliehen und durften danach nicht ausgeliefert werden. Nun verlangt das niederländische Justizministerium mit Hinweis auf EU-Recht, dass sie in Deutschland ihre Strafe absitzen.

Auke Pattist, SS-Offizier in Amsterdam und Drente, folterte während des Krieges niederländische Widerständler, um die Verstecke untergetauchter Juden herauszubekommen. Nach dem Krieg wurde er von den niederländischen Behörden festgenommen, konnte aus der Haft nach Deutschland fliehen und setzte sich nach Spanien ab, das ihn trotz eines in Abwesenheit ergangenen niederländischen Todesurteils nie auslieferte. Jahrzehnte später machte ihn der Historiker Albert Metselaar ausfindig und führte mit ihm einen ausführlichen Briefwechsel.

Pattist starb 2001. Doch durch seine Briefe erfuhr die Öffentlichkeit Einzelheiten über die anderen niederländischen Kollaborateure aus Drente und Amsterdam, die nach dem Krieg spurlos verschwanden und später in Holland in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurden. Jahrelang bemühte sich die niederländische Justiz um die Auslieferung von sechs SS-Offizieren, Spießgesellen von Pattist, die in Deutschland untergetaucht waren. Obwohl die Todesurteile zwischenzeitlich in lebenslängliche Freiheitsstrafen umgewandelt worden waren, lehnte die deutsche Justiz konsequent eine Auslieferung ab.

Nun versucht der niederländische Justizminister Piet Hein Donner, der über 80-jährigen Kollaborateure dennoch habhaft zu werden. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat nach Darstellung aus Den Haag prinzipiell Mitarbeit am Ersuchen zugesagt. Zunächst aber müssten deutsche Gerichte über die Ersuchen um Strafverbüßung in deutschen Gefängnissen entscheiden.

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