Politik : Gemeinsame Strategie

Malische Vertreter führten die Verhandlungen mit den Geiselnehmern – immer in enger Abstimmung mit Berlin

Christoph von Marschall

DAS GEISELDRAMA IN DER SAHARA

Fünf bis sechs Monate Geiselhaft sind eine enorme Belastung für Körper und Seele. Warum dauert es so lange bis zum glücklichen Ausgang, der sich am Sonntagabend abzeichnete? Und was macht das für diesen Montag erwartete gute Ende möglich?

Die Urlauber waren im algerischen Teil der Sahara zu Geiseln genommen worden – durch Islamisten, die die Regierung in Algier bekämpfen. Die Hoffnung auf eine Verhandlungslösung wuchs, als die Entführer mit den Geiseln vor wenigen Wochen in das Gebiet des südlichen Nachbarn Mali wechselten. Doch mussten nun erst wieder Kontakte zur malischen Regierung geknüpft und neue Kommunikationswege zu den Geiselnehmern aufgebaut werden. Mali gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und gilt seit 1991 als Vorbild für Demokratisierung in Afrika. Die Regierung ist Deutschland dankbar für Entwicklungshilfe. So waren die Voraussetzungen für eine gemeinsame Strategie der Regierungen in Bamako und Berlin günstig.

Die Verhandlungen führten jedoch allein malische Vertreter, betont man im Auswärtigen Amt. Freilich hatte der deutsche Krisenstab bis vor einer Woche regelmäßigen Kontakt über Mobiltelefon mit einem Vertreter der Entführer und meist auch einer Geisel, sodass man sich eine Vorstellung von Lage und Gesundheitszustand der Gruppe machen sowie Medikamente anbieten konnte, die die Entführten auch erreichten. Eine Erschwernis waren die Sicherheitsvorkehrungen der Kidnapper, die verhindern wollten, dass sie über Telefon geortet werden und Gelegenheit zu einer Befreiungsaktion geben. Deshalb waren die Geiseln auch in kleine Gruppen an verschiedenen Orten aufgeteilt.

Malis Regierung war sehr an einer Verhandlungslösung interessiert. Sein Ruf als aufstrebendes Tourismusland soll nicht darunter leiden, dass es über längere Zeit im Zusammenhang mit Verbrechen genannt wird. Aber auch für die Entführer wurde allmählich die Zeit knapp. Die Regenzeit neigt sich dem Ende zu, danach wird es erheblich schwieriger, größere Gruppen in der Wüste mit Wasser und Nahrung zu versorgen. Mit der Zeit wird auch der Gesundheitszustand der Geiseln zu einem wachsenden Risiko.

Die Bundesregierung hat Mali technisch unterstützt: mit Fahrzeugen, in denen die Unterhändler die mehreren hundert Kilometer von Bamako ins nordmalische Tessalit zurücklegten. Und Sprit für die malische Antonov, die die Geiseln dort einsammeln und zur deutschen Transall in Gao bringen sollte.

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