Politik : Gemeinsamkeiten in Riad

Hans Monath

Außenminister Joschka Fischer hat auf der ersten Station seiner Nahost-Reise weitere Verbündete für den Wiederaufbau Afghanistans gefunden. Nach einem Treffen mit dem saudi-arabischen Außenminister Prinz Saud Al-Faisal in Riad sagte Fischer, er habe bei den Gesprächen über die Nach-Taliban-Ära viele Gemeinsamkeiten gefunden. Fischer nannte das Bemühen, ein Machtvakuum und einen Bürgerkrieg zu vermeiden, die Beteiligung vieler Ethnien, die Integrationsfigur des Königs, die Rolle der Vereinten Nationen und die Zustimmung der Nachbarn zur Nachkriegsordnung. Diese Kriterien entsprechen weitgehend den Forderungen, auf die sich vergangene Woche die EU-Außenminister geeinigt hatten.

Bei den Besuchen in Saudi-Arabien und anschließend im Iran wollen die Deutschen Möglichkeiten ausloten, die Anti-Terror-Koalition zu stabilisieren, eine Nach-Taliban-Lösung und humanitäre Hilfe für Afghanistan zu organisieren sowie die Spannungen zwischen Israel und den Palästinensern abzubauen. Zum Thema Online Spezial: Terror und die Folgen
Themenschwerpunkte: Gegenschlag - Afghanistan - Bin Laden - Islam - Fahndung - Bio-Terrorismus
Fotostrecke: Bilder des US-Gegenschlags Saudi-Arabien gilt in diesem Zusammenhang als zentrales und einflussreiches Land. Als größter Opec-Staat verfügt es über finanzielle Mittel, als Ursprungsland des Islam sind auch seine Einflussmöglichkeiten auf religiöser Ebene groß. Sowohl zur Stabilisierung Pakistans wie zum Wiederaufbau in Afghanistan und zum Nah-Ost-Friedensprozess kann die Regierung in Riad deshalb viel beitragen. So würden es die Deutschen gerne sehen, wenn das Land Arafat finanziell unterstützte.

Wegen ihres Eintritts in die Anti-Terror-Allianz sieht sich die Regierung in Riad allerdings heftiger Kritik islamistisch-fundamentalistischer Gruppen im eigenen Land ausgesetzt. Aus Angst vor der Reaktion der Bevölkerung stellt die Regierung den Amerikanern allerdings keine Militärbasen für Angriffe auf Afghanistan zur Verfügung. Fischer sagte, nicht die Teilnahme an der Allianz sei für das Land das Problem, sondern vielmehr die Dauer der militärischen Auseinandersetzung um Afghanistan. Die Lage in Saudi-Arabien sei stabil. Die Stabilität in ihrem Land und ihre Reputation sieht die Regierung durch Vorwürfe aus dem Westen gefährdet, wonach ein Großteil der Terroristen in den US-Flugzeugen aus Saudi-Arabien kam. Unstrittig ist, dass bin Laden aus dem Land stammt. Die Behauptung, staatliche Stellen hätten Terroristen geholfen, weist die Regierung zurück. Jede Finanzhilfe aus dem Land für die Terroristen will die Regierung inzwischen unterbunden haben.

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