Gen-Mais : Die Angst vor Mon 810

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner will die Entscheidung über eine Aussaaterlaubnis für Gen-Mais bekanntgeben. Ihre Partei erwartet von ihr ein Verbot - der Agrarchemiekonzern Monsanto droht mit einer Klage, falls sie das Verbot aussprechen sollte.

Dagmar Dehmer
Mais
Ungeliebte Kolben. Bayerns Bauern wollen von Gentech nichts wissen. -Foto: dpa

Berlin - In einer Woche beginnt die Maisaussaat in Deutschland – und Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) stellt das unter doppelten Druck: Sie will am heutigen Dienstag entscheiden, ob auch der umstrittene gentechnisch veränderte Mais Mon 810 des amerikanischen Agrarchemiekonzerns Monsanto zum Einsatz kommen darf. Ihre Partei verlangt ein Anbauverbot, doch gleichzeitig droht Monsanto mit einer millionenschweren Klage, sollte sie das Verbot tatsächlich aussprechen.

Der bayerische Umweltminister Markus Söder hat noch als CSU-Generalsekretär eine Kampagne gegen die grüne Gentechnik begonnen, weil er das Konfliktpotenzial der Genpflanzen in Bayern erkannt hatte. Die meisten bayerischen Bauern, die relativ kleine Felder bewirtschaften, lehnen die grüne Gentechnik ab. Entsprechend wird Aigner aus ihrer Partei unter Druck gesetzt, den Anbau zu verbieten. Im Auftrag des Kampagnen- Netzwerks Campact ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Tns-Emnid in einer allerdings nicht repräsentativen Umfrage in Bayern, dass 72 Prozent der Befragten ein Verbot von Aigner erwarten, bei den CSU-Wählern sind es sogar 76 Prozent, 77 Prozent der Befragten glauben zudem, dass es die CSU bei der Europawahl Stimmen kosten könne, wenn Aigner Monsanto gewähren lässt.

Agrarstaatssekretär Gert Lindemann gab in der „Süddeutschen Zeitung“ allerdings zu bedenken, dass es schon einen „handfesten Grund“ brauche, um den Anbau von Mon 810 zu verbieten. Als vor zwei Jahren ein temporäres Anbauverbot verhängt worden sei, habe der Konzern umgehend Klage erhoben. Der Streitwert habe bei vier Millionen Euro gelegen, sagte Lindemann weiter. Auf der anderen Seite haben Frankreich, Österreich und Ungarn schon vor Jahren den Anbau von Mon 810 wegen Bedenken gegen die Sicherheit der Pflanze verboten. Gegen Frankreich hat Monsanto geklagt; es gibt jedoch noch kein Urteil. Gegen Österreich und Ungarn ist Monsanto dagegen bisher nicht vorgegangen, dafür versucht die EU-Kommission in regelmäßigen Abständen den beiden Ländern das Anbauverbot zu verbieten – bisher ohne Erfolg. Zuletzt scheiterte die EU-Kommission Anfang März im EU-Agrarrat damit. Im Auftrag des Bunds Ökologischer Lebensmittelwirtschaft und Campact haben der Gentechnikexperte Christoph Then und die Rechtsanwältin Katrin Brockmann Argumente für ein Anbauverbot zusammengetragen. Rein rechtlich sei das Vorsorgeprinzip der Europäischen Union die Grundlage dafür, heißt es in der Studie. Zudem weist Then, bis 2007 Gentechnik-Kampaigner bei Greenpeace und seither bei „Scouting Biotech“, auf eine Vielzahl von offenen Fragen bei der Bewertung von Mon 810 hin. Das beginnt damit, dass Mon 810 zwar die einzige gentechnisch veränderte Pflanze ist, die in der EU überhaupt angebaut werden darf, allerdings ist seine Zulassung 2007 ausgelaufen. Monsanto hat zwar eine Wiederzulassung beantragt, darüber ist aber noch nicht entschieden.

Mon 810 ist ein Bt-Mais, das heißt, die Maispflanze wurde so verändert, dass sie ein Insektengift auf der Basis des Bacillus thuringiensis (Bt) produziert. Then weist darauf hin, dass bei Messungen von Greenpeace sehr unterschiedliche Giftgehalte der Pflanzen ermittelt wurden. Dennoch setzt Monsanto in seinen Zulassungsunterlagen das von Mon 810 produzierte Insektengift mit dem natürlich vorkommenden gleich und behauptet, der Giftgehalt sei so gering, dass er andere als die Schadinsekten, also den Maiszünsler, nicht schädigen könne.

Fragwürdig ist aber auch, wie Monsanto den vom Landwirtschaftsministerium geforderten Monitoring-Bericht über die Auswirkungen des Mon-810-Anbaus in Deutschland zusammengetragen hat, die man dort am 31. März vorgelegt hat. Demnach wurde 2008 auf 3173 Hektar Mon 810 angebaut, nach Monsanto- Angaben 0,15 Prozent des gesamten Mais-Anbaus in Deutschland. In seinem Monitoring-Bericht nutzt Monsanto unter anderen die Daten des Tagfalter-Monitorings (TMD) in Deutschland, um zu beweisen, dass von seinem Gen-Mais keine negativen Wirkungen auf Schmetterlinge ausgehen. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, das gemeinsam mit der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz und der Internetplattform Science 4 you die jährlichen Falterzählungen betreut, weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass eine solche Interpretation aus den Daten des TMD nicht abzuleiten sei.

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