Politik : Gen-Manipulation: Die Produkte liegen längst im Supermarkt

Maren Peters

Gentechnisch veränderte Lebensmittel liegen bereits häufiger in deutschen Supermarktregalen, als die Verbraucher ahnen. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest nach einer Untersuchung von stichprobenartig ausgewählten gängigen Lebensmitteln: Ein Drittel davon enthielt gentechnisch veränderte Bestandteile. Politiker der Grünen riefen zu einer erneuten Debatte über die Kennzeichnungspflicht auf. Greenpeace forderte schärfere Kontrollen.

"Gentechnisch veränderte Lebensmittel werden von Verbrauchern zwar mehrheitlich abgelehnt, aber häufig unbemerkt gegessen", sagte Kirsten Koeppe von der Stiftung Warentest. Die Stiftung hatte im Februar und März 82 Produkte aus Supermärkten getestet, darunter viele Backwaren, aber auch süße Riegel und Sojadrinks. In 31 Fällen fanden die Tester gentechnisch verändertes Material, bei drei Produkten - einer Backmischung aus den USA, einem Eis aus Holland und einem Sportriegel aus England - lag der Anteil sogar bei 20 Prozent. Bei vier weiteren Produkten ermittelten die Tester einen Anteil zwischen 0,1 und zwei Prozent.

Nach einer im April in Kraft getretenen EU-Verordnung müssen Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, die zu mehr als einem Prozent gentechnisch veränderte Erbsubstanz enthalten, gekennzeichnet werden. Nach Schätzungen der Stiftung Warentest enthalten rund 30 000 Fertiglebensmittel in den Läden genmanipulierten Mais oder Soja.

"Tatsache ist, dass sich die Gentechnik längst in den Supermarkt eingeschlichen hat", sagte Koeppe. Als Konsequenz aus den Untersuchungsergebnissen forderte die Stiftung Warentest, den Schwellenwert der Kennzeichnungspflicht um die Hälfte auf 0,5 Prozent abzusenken. Da Lieferanten "nicht jeden ankommenden Sack" überprüfen könnten, müsse außerdem eine durchgehende Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Materialien vom Saatgut bis zur Rohware eingeführt werden. Bislang gebe es zwar keine gesicherten Hinweise auf gesundheitliche Beeinträchtigungen, doch die Gentechnik sei noch zu jung, um Langzeitrisiken ausreichend abschätzen zu können.

Unterstützung fand sie bei Politikern der Grünen. Die verbraucherpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Ulrike Höfken, rief dazu auf, die Debatte um die Kennzeichnungspflicht weiter voranzutreiben. "Die Ergebnisse geben zu Misstrauen Anlass" sagte Höfken. Über den geltenden Schwellenwert von einem Prozent müsse erneut nachgedacht werden. Höfken appellierte auch an die Eigenverantwortlichkeit der Industrie: Die müsse alles tun, um gentechnisch veränderte Produkte von gentechnikfreien Produkten sauber zu trennen.

Detlef Parr, Obmann der FDP-Fraktion im Gesundheitsausschuss, warnte vor einer "Verteufelung" gentechnisch veränderter Produkte und rief zu einer sachlich geführten Debatte auf. Er sprach sich für eine Kennzeichnungspflicht aus. Sie gebe dem Einzelnen die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob er genmanipulierte Produkte kaufen wolle. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Wolfgang Lohmann, sieht dagegen keine Notwendigkeit einer neuen Debatte über die Kennzeichnungspflicht. Die SPD-Fraktion war am Donnerstag zu keiner Stellungnahme bereit.

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