Politik : Gen-Technologie: Deutsche Kritik an britischen Klon-Plänen

Der britische Vorstoß zum therapeutischen Klonen hat in Deutschland eine kontroverse Debatte um eine Änderung des strengen deutschen Embryonenschutzes entfacht. Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) warnte am Mittwoch im WDR vor einer "Hau-Ruck-Entscheidung" und übereilten Lockerung des Gesetzes. Sie äußerte sich skeptisch zum therapeutischen Klonen, bei dem Zellen künstlich erzeugter junger Embryonen verwendet werden. Auf diese Weise gezüchtetes Gewebe könnte zur Heilung von Krankheiten wie Alzheimer verwendet werden. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Renate Schmidt forderte im Gegensatz zu Fischer eine "schnelle" Diskussion. Sonst bestehe die Gefahr, dass Deutschland bei dieser Forschung "das Nachsehen hat". Das Forschungsministerium plädierte für einen europaweiten Konsens.

Ethikexperten von SPD und Union wandten sich strikt dagegen, das Klonen mit embryonalen Stammzellen zu erlauben. Ähnlich äußerte sich das Justizministerium. Die FDP mahnte eine breite Debatte über das Für und Wider an und warnte vor einem "stereotypen Beißreflex". Die Chancen für Kranke dürften nicht ignoriert werden. Fischer hatte bereits im Frühjahr eine Debatte über eine Novelle des zehn Jahre alten deutschen Embryonenschutzgesetzes angestoßen. Sie macht aber zur Bedingung, dass die Parteien im Bundestag ohne Fraktionszwang über eine Neuregelung entscheiden. Dazu will sie die Fraktionen nach der Sommerpause ansprechen. In Großbritannien haben Regierungsberater in einem Bericht empfohlen, das therapeutische Klonen mit Stammzellen menschlicher Embryonen zu erlauben. Fischer selbst meldete Bedenken dagegen an. Das Argument, damit könnten möglicherweise neue Therapien gegen Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes oder Parkinson entwickelt werden, sei für sich allein genommen noch "kein hinreichendes Argument". "Wir werden es immer abwägen müssen gegen mögliche Gefahren", sagte sie im WDR. Fischer wies auf Alternativen zu embryonalen Stammzellen hin. So könnten auch Stammzellen von Erwachsenen genutzt werden. Der SPD-Ethikexperte Wolfgang Wodarg lehnte die Nutzung embryonaler Stammzellen strikt ab. Ähnlich hatte sich zuvor bereits der CDU-Ethikexperte Hubert Hüppe geäußert. Er warf Großbritannien vor, die Europäische Wertegemeinschaft zu verlassen.

Die Bundesärztekammer lehnt das therapeutische Klonen unter den gegenwärtigen Bedingungen ab. Der "Westdeutschen Zeitung" sagte der Präsident der Ärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, am Donnerstag, eine Heilung unter Verwendung menschlichen Lebens sei "kaum" zu verantworten. Nach ärztlicher Definition sei der Embryo ein Mensch, der sich zwar in einem äußerst frühen Stadium befinde, aber mit derselben Würde und Wertigkeit ausgestattet sei wie ältere Menschen. Hoppe forderte eine breite öffentliche Diskussion über Möglichkeiten und ethische Probleme des therapeutischen Klonens. Die Öffentlichkeit wisse noch zu wenig darüber. "Wer nur das therapeutische Klonen sieht und meint, er kommt um eine Debatte um die Abtreibung herum, macht sich etwas vor", fügte der Ärztekammer-Präsident hinzu. Es handele sich um zwei Seiten einer Medaille. Im DeutschlandRadio Berlin erklärte Hoppe, der britische Vorstoß lasse zwei wesentliche Dinge außer Acht. Zum einen müsse geschaut werden, ob das Klonen überhaupt funktioniere. Zweitens müsse die ethische Dimension beachtet werden. Denn therapeutisches Klonen sei nur möglich, wenn man Stammzellen von ganz "jungen Menschen" bekomme, wobei diese getötet würden. Das sei "eine so eingreifende Methode", die sich auf das gesamte Menschenbild auswirken könne.

Auch in Großbritannien ging am Donnerstag die Diskussion um die Entscheidung der britischen Regierung weiter. Der schottische Kardinal Thomas Winning von Glasgow nannte die Haltung "schockierend und enttäuschend". Die Schaffung von Stammzellen aus einem menschlichen Embryo sei "moralisch verwerflich, weil es dabei zur Zerstörung eines menschlichen Lebens kommt". Auch dürfe die Wissenschaft nicht in einem moralischen Vakuum operieren.

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