Politik : Gene im Tank

Thomas Migge

Aus gentechnisch verändertem Mais wird in Italien ökologischer Treibstoff für Autos. Das Landwirtschaftsministerium hat mit den beiden amerikanischen Saatgutunternehmen Monsanto und Pioneer einen Vertrag geschlossen, der diese verpflichtet, den gentechnisch veränderten Mais zu Marktpreisen aufzukaufen. Danach wird er zu Treibstoff verarbeitet. Ziel des Vertrags ist es nach Auskunft von Landwirtschaftsminister Gianni Alemanno, „die Öffentlichkeit zu beruhigen“.

Seit bekannt wurde, dass auf „unbeabsichtigte Weise“, wie es offiziell aus dem Ministerium in Rom heißt, gentechnisch verändertes Mais-Saatgut von Monsanto und Pioneer auf norditalienische Felder gelangt ist, regte sich der Protest in weiten Teilen der italienischen Öffentlichkeit. Bürgerinitiativen und Umweltschutzorganisationen plädierten für die Zerstörung der Maisfelder. Im Juni ordnete die Regionalverwaltung Piemonts die Zerstörung des umstrittenen Maises an. Erst dann ließ das Landwirtschaftsministerium in Norditalien die ersten Felder kontrollieren. Das Ergebnis: In mehreren Regionen ist gentechnisch modifiziertes Saatgut für Mais in den Handel gelangt. Verbraucher- und Bauernverbände gaben sich damit nicht zufrieden. Sie reichten Klage ein. In mehreren Städten ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft. Sergio Dompe, Präsident der Nationalen Vereinigung zur biotechnologischen Entwicklung, begrüßte den Vertrag zwischen dem römischen Ministerium und den Saatgutfirmen. „Jetzt können wir vielleicht ein wenig entspannter über gentechnisch veränderte Lebensmittel diskutieren“, hofft er.

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