Politik : General Blaskic zeigt keine Reue

Der jetzt verurteilte kroatische General Tihomir Blaskic hat eine lange Karriere als Militär hinter sich. Im Bosnienkonflikt 1992 bis 1994 befehligte er die bosnisch-kroatischen Milizen. 1996 stellte er sich, angeblich auf Drängen des kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman, dem Kriegsverbrechertribunal der Vereinten Nationen in Den Haag. Dort wollte er seine Unschuld beweisen. Nach dem bisher längsten Prozess um Verbrechen im früheren Jugoslawien erlebte der 39-Jährige am Freitag das Scheitern seines Versuchs. Das Gericht verurteilte den bisher ranghöchsten Angeklagten für seine Rolle bei den "ethnischen Säuberungen" zur bisherigen Höchststrafe von 45 Jahren.

"General Blaskic wird nicht beschuldigt, einen einzigen Moslem mit eigenen Händen umgebracht zu haben", machte Tribunalspräsident Claude Jorda bei der Begründung des Urteils deutlich. Zugleich erläuterte er aber detailliert, wieso der untersetzte 39-Jährige für den Tod vieler Unschuldiger mit verantwortlich ist.

In seinem Plädoyer auf lebenslange Haft hatte es der Ankläger im Juli schon besonders deutlich formuliert: Blaskic war nach seiner Ansicht ein willfähriges Instrument der Politik ethnischer Säuberungen, die sich in kroatischen Interessengebieten Zentralbosniens vor allem gegen Moslems richtete. "Er führte aus, was in den Palästen der Macht in Zagreb festgelegt wurde", meinte der Ankläger. Damals hatten die Nationalisten um den schon vom Tode gezeichneten Tudjman wütend reagiert. Unter ihrem Regime sank das Maß der Zusammenarbeit mit den Den Haager Ermittlern auf den Nullpunkt.

Die Richter kamen mit Worten von größerer Nüchternheit zum selben Ergebnis. Sie sahen in der von General Blaskic mit Akribie ausgeführten Strategie die Politik gezielter Diskriminierung gegen Moslems. "Jeder Moslem sollte entfernt oder ersetzt werden", beschrieb Jorda. Ziel war die Schaffung eines Groß-Kroatiens. Der General setzte diesen politischen Expansionskurs mit militärischen Mitteln um.

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